Full text: Jahrbücher für die Dogmatik des heutigen römischen und deutschen Privatrechts (Bd. 17 = N.F Bd. 5 (1879))

482 vr. Rudolf Leonhard, Ein Beitrag z. Lehre v. Beginn d. Berj.
die Verjährung bei besonderen Hindernissen, welche sich dem
Gläubiger entgegenftellen, aus Nachsicht gegen diesen, unter-
brochen, und daß zu diesen ausnahmsweisen Entschuldigungs-
gründen des säumigen Kontrahenten die kontraktwidrige Nicht-
erfüllung nicht gehört, liegt aus der Hand.
In allen denjenigen Fällen, in welchen nur einer der beiden
Kontrahenten an einen zweiseitigen Vertrag gebunden ist, z. B.
bei dem suspensiv bedingten Kaufe auf Probex) kann übrigens
nur auf Seiten desjenigen, von dessen Willen die Verwirklichung
des Geschäftes abhängt, von einer aetio natu die Rede sein.
Ist das Geschäft durch den einen der Kontrahenten frei auflös-
bar, wie z. B. der Reukauf und der Wiederkauf1 2 3), so ist die
zweiseitige Verpflichtung zur Auflösung dem Anfangsgeschäfte,
z. B. dem Kaufe, durchaus entsprechend; auch bei dieser Auf-
lösung stehen die beiden Kontrahenten mit ihren Leistungen ein-
ander gegenüber, nur sind die Rollen vertauscht und zwar ist
auch hier nur der eine Kontrahent an diese Obligation gebun-
den b), während der andere es in seinem Belieben hat, sie zu
verwirklichen, also mit seiner Forderung dem Verjährungsgesetze
unterworfen sein muß.

1) Vgl. Wind scheid, Pand. Bd. n §. 387 4. Aufl. S. 446.
2) Vgl. über das Folgende Unger, System Bd. II S. 116 Anm. 11
S. 380.
3) Eine abweichende und zu andern Ergebnissen führende Auffassung
derartiger Geschäfte ist diejenige, nach welcher die wechselseitige Pflicht zur
Rückgängigmachung des Geschäftes nicht als eine von vorn herein gegebene,
sondern als eine Vertragswirkung angesehen wird, welche durch die Er-
klärung des zur Auflösung Berechtigten bedingt sei, während vor dieser
Erklärung bloß ein Motum äo omonäo vorliege (vgl. z. B. Glück, Pan-
dektenkommentar S. 206, Demelius, Untersuchungen aus dem röm.
Civilrecht S. 195). Gegen diese Auffassung spricht alles dasjenige, was
gegen die Annahme spricht, daß die Darlehnsforderung des zur Kündigung
berechtigten Gläubigers durch diese Kündigung bedingt werde.

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