Full text: Jahrbücher für die Dogmatik des heutigen römischen und deutschen Privatrechts (Bd. 17 = N.F Bd. 5 (1879))

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Dr, Rudolf Leonhard,

solche seiner Wirkung bezogen, also nicht in demjenigen Sinne
verstanden wird, in welchem die Quellen das Wort nudum zu
gebrauchen pflegen, sondern etwa in demjenigen, in welchem
es den Glossatoren bei der Bezeichnung der pacta nuda als
Gegensatz der sogenannten pacta vestita vorgeschwebt hat.
Da bei Gelegenheit der vorstehenden Untersuchung der
Hauptgesichtspunkt für die Auslegung der Theo basischen
Berjährungsvorschrist zur Sprache gekommen ist, so mag es nicht
unangemessen erscheinen, wenn zum Schluffe auch noch die
Rechtsertigung eines andern zweifelhaften Satzes in ähnlicher
Weise versucht wird, nämlich des Satzes, daß bei zweiseitigen
Verträgen die Ansprüche einer jeden Partei sogleich zu- verjähren
beginnen, auch wenn der Gegner denselben eine exceptio adim-
pleti contractus entgegenzustellen vermag. Darauf, daß hier
die Klage nicht ipso jure, sondern nur ope exceptionis ge-
hemmt ist, mit Thon i) Gewicht zu legen, heißt sich mit dem
Zwecke des Verjährungsgesetzes in Widerspruch setzen, weil es
unzweifelhaft auch exceptiones giebt, welche die im Sinne dieses
Gesetzes gerade wichtigen Eigenschaften der Aktionen, ihre freie
Ausübbarkeit gegenüber dem Schuldner, ebenso hemmen, wie
Thatsachen, welche man ipso jure geltend machen kann. Auch

i) A. a. O. S. 35 ähnlich S a v i gn y Bd. 5 S. 290, vgl. auch Unger,
System Bd. II tz. 116 Anm. 2 4. Aufl. S. 376. Aehnlich wie Thon,
Zrodlowsky die Verjährung nach österreich. Rechte, Prag 1878, S.56,
welcher meint, daß hier eine „an und für sich" begründete und darum
verjährbare actio vorliege. Windscheid, Pandekten Bd.I §. 109 Anm.3
4. Aufl. S. 316 hebt hervor, daß die Frage in wie weit Einreden die
Verjährung hemmen eine wenig behandelte. Diese Frage dürfte m. E.
bei einer jeden einzelnen Einrede nach demselben Gesichtspunkte zu beant-
worten sein, nach welchem sie oben im Text bezüglich der exceptio non
impleti contractus behandelt worden ist, nämlich durch die Beantwortung
der Frage, ob die Einrede die dem Rechtsleben gefährliche Eigenschaft der
Klage hemmt oder nicht.

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