Full text: Jahrbücher für die Dogmatik des heutigen römischen und deutschen Privatrechts (Bd. 17 = N.F Bd. 5 (1879))

Ein Beitrag zur Lehre vom Beginn der Verjährung. 479

der zinsbaren Darlehnsforderung zu der Annahme einer solchen
Unverjährbarkeit gelangen würde, allein man darf nicht übersehen,
daß das gleiche unbillige Resultat nach unzweifelhaftem Rechte
auch bei der Societät Platz greift, von welcher es wohl un-
streitig ist, daß sie bis zu einer wirklichen Kündigung fortbe-
steht i). Man denke nur an den Fall, daß ein Socius erheb-
lich länger als dreißig Jahre sich in keiner Weise mehr an der
Gesellschaft betheiligt hat und nunmehr zur Leistung der noch nicht
verjährten Beiträge der letzten neun und zwanzig Jahre heran-
gezogen wird. Und doch läßt sich aus der bloßen Aktionenver-
jährung dieses Resultat nicht abwehren. Es würde also hier
und bei ähnlichen Verhältnissen (z. B. bei Dienstmiethen) einer
der Vorschrift I u stin ian's über die Verjährung zinsbarer Dar-
lehn ähnlichen Vorschrift bedürfen, wenn nicht in diesen Ver-
hältnissen derartige Fälle ganz außerordentlich selten wären und
sich in der Praxis dadurch, daß man meistens bei ihnen eine still-
schweigende Auflösung solcher Obligationen wird annehmen
können, der Regel nach in befriedigender Weise erledigen ließen.
Um die soeben gewonnenen Ergebnisse nochmals der Theorie
Windscheid's entgegenzustellen, so ist hervorzuheben, daß
sie sowohl in ihrer Begründung als auch in ihrer Fassung von
derselben abweichen. Einerseits fassen sie die sofortige Verjäh-
rung der nach erfolgter Kündigung und demnächftigen Fristab-
laufe fällig werdenden Forderungen nicht als einen Ausnahme-
satz, sondern als eine Konsequenz der richtig gefaßten Regel auf
und erkennen es andererseits nur dann an, daß die hierbei in
Frage kommenden Forderungen solche sind, welche von dem
„nackten Wollen" des Gläubigers abhängen, wenn die „Nackt-
heit" des Gläubigerwillens nicht aus eine Beschränktheit seines
Inhalts oder die Einfachheit seiner Form, sondern aus eine

i) Vgl. oben S. 473 Anm. 3.

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