Full text: Jahrbücher für die Dogmatik des heutigen römischen und deutschen Privatrechts (Bd. 17 = N.F Bd. 5 (1879))

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vr. Kühne,

Kenntniß erlangt hat, allerdings nicht sicher, daß er durch die
Deposition von seiner Verpflichtung dem Cedenten gegenüber
frei wird; denn wenn das Gericht auf die Klage des ursprüng-
lichen Gläubigers jene Streitfrage dahin entscheidet, daß der
Schuldner diesem so lange gültig hätte zahlen können, als ihm
nicht seitens des Cessionars denunzirt war, so folgt, daß
bei nicht erfolgter Denunziation des Cessionars nur der ur-
sprüngliche Gläubiger dem Schuldner als Berechtigter gegen-
überstand , daß folglich eine zur befreienden Deposition Anlaß
gebende Ungewißheit des Gläubigers nicht vorlag 1).
II. Wenn mehrere Cessionare, welchen der ursprüngliche
Gläubiger seine Forderung, einem nach dem anderen, cedirt
hat, gegen den Schuldner auftreten2), so entsteht die Streit-
frage : ob demjenigen Cessionar gezahlt werden muß, welchem
die Forderung zuerst abgetreten ist, oder demjenigen, dessen

1) Praktische Bedeutung wird übrigens die Kontroverse für unsere
Frage der Deposttion selten erlangen. Denn der Schuldner wird, wenn
er sich entschließt zu deponircn, vor der Hinterlegung selbst den Cessionar
auffordern, sich zu legitimiren, nm eventuell auch letzterem gegenüber durch
die Deposition frei zu werden. In Folge dieser Aufforderung wird er in
der Regel von dem Cessionar eine Erklärung darüber erhalten, ob dieser
aus der Cession Rechte für sich herleiten wolle oder nicht. Im Falle der
Bejahung liegt in dieser Erklärung des Cessionars die Denunziation der
Cession — und damit hat die Bedeutung der Kontroverse für die Frage
der Deposition ihr Ende erreicht. — Aber es lassen sich allerdings Fälle
denken, wo die Kontroverse für die Frage nach der befreienden Wirkung
der seitens des Schuldners erfolgten Deposition praktisch werden kann;
z. B. wenn der Cessionar auf jene Aufforderung nicht antwortet, oder
wenn die Aufforderung wegen seiner Abwesenheit nicht an ihn gerichtet
werden kann u. s. w.
Aehnlich wird die Sache sich gestalten, wenn entschieden wird, daß
zwar nicht jede sichere Kenntniß des Cessionars aber die von dem Ceden-
ten ausgegangene Benachrichtigung der Denunziation des Cessionars gleich
stehe.
2) Dem Falle der mehrfachen Cession ist der Fall der mehrfachen Ver-
pfändung der Forderung analog zu behandeln.

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