Full text: Jahrbücher für die Dogmatik des heutigen römischen und deutschen Privatrechts (Bd. 17 = N.F Bd. 5 (1879))

Rechte an eigener Sache.

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(oben S. 117) aus Sohm'd Prämissen dessen Auffassung der
modernen Hypothek im Voraus folgerten: so hat Sohm inzwi-
schen in dem Aufsatz „lieber Natur und Geschichte der modernen
Hypothek" (in Grünhut's Zeitschrift 33b. V) mit gewohnter
strenger Konsequenz jenen Denkprozeß wirklich vollzogen. Das
moderne Hypothekenrecht ist ihm „nicht bloß kein Römisches
Pfandrecht, sondern überhaupt kein Sachenrecht"; jenes mo-
derne Recht bedeutet „eine Obligation, kein dingliches Verhält -
niß". Der Vorzug dieser Obligation gründet sich nicht mehr
auf die Priorität des älteren dinglichen Rechts, sondern es ist
nur der Vorzug einer „privilegirten Forderung". Dieses Pri-
vileg beruht nicht aus Rechtssätzen des Privatrechts, sondern nur
auf den Rechtssätzen des Prozesses. Diese prozessualische Prio-
rität ist überhaupt kein Recht. Also besitzt auch der Hypo-
thekengläubiger gegenüber anderen dinglich am Grundstück Be-
rechtigten, deren Rechte bei jüngerem Ursprung und Datum
durch die Zwangsversteigerung zu Gunsten der Hypothek ver-
nichtet werden, „keinerlei Recht". Obgleich ferner der jedes-
malige Eigenthümer des Grundstücks der Hypothekenschuldner
ist: so handelt es sich hier doch, trotz dieser dinglichen Wirkung,
genau um die gleiche Art von Obligation, wie bei den Römi-
schen obligatio^ in rem scriptae.
Ueber allen Zweifel richtig erscheint uns von den hier ein-
schlagenden dogmatischen Aufstellungen Sohm's nur die Eine:
der Begriff des dinglichen Rechts bedeutet lediglich eine Katego-
rie unseres juristischen Denkens d. h. nur eine logische, nicht
eine historische Größe; dies in dem Sinne, daß es schlechthin
ausgeschlossen ist, die moderne Hypothek für ein dingliches Recht,
zwar nicht im Sinne des Römischen, aber im Sinne des deut-
schen Rechts zu erklären.
Wenn im Uebrigen Sohm's scharf zugespitzte Lehrsätze,
Klarheit fordernd und weckend, allenthalben die Kritik hervor-

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