Volltext: Jahrbücher für die Dogmatik des heutigen römischen und deutschen Privatrechts (Bd. 23 = N.F Bd. 11 (1885))

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Dr. M. Scherer,

In Italien wurde dagegen die Frage von jeher zu Gunsten
des noch nicht empfangenen Posthumus entschieden. Eine Ent-
scheidung des Kaffationshoses zu Rom vom 22. Dezember 18§3
— abgedruckt in den Annali della giurisprudenza Italiana,
Florenz 1884 Bd. 18 S. 71—72 — beruft sich namentlich
auf die übereinstimmende Praxis der Rota für den früheren
Kirchenstaat und entscheidet auf Grund des im Kirchenstaat in
Geltung gewesenen römischen Rechts in demselben Sinne; ein
gewiffer F. hatte das zweite Kind des R. als Erbe eingesetzt,
falls dasselbe innerhalb eines Decenniums nach seinem Tode
geboren würde. Offenbar war seine Absicht, für das zweit-
geborene Kind zu sorgen; die Gerichte erklärten diese Erbein-
setzung für gültig. Der Kaffationshof hat noch weiter für
seine Ansicht citirt. V o et, in Paudeet. lib. 28 tit. 5 de bered,
inst. n. 13, Peregrin. De fideicom. Art. 22 n. 10 und 76;
Fachinei,Contwo. 1.4c.88. Mühlenbruch,Doct.Pandect.
§ 618 Note 2.
Der Art. 623 des Gesetzbuches für das Herzogthum Parma
und Art. 705 des sardischen Eivilgesetzbuches hatten dieselbe
Ansicht gebilligt.
Das italienische Civilgesetzbuch vom 2. April—25.Iuni 1865
steht auf demselben Standpunkt; der Art. 764 bestimmt: „Unfähig,
testamentarisch bedacht zu werden, sind diejenigen, welche un-
fähig sind, zur gesetzlichen Erbfolge zu gelangen. Jedoch können
die unmittelbaren Kinder einer bestimmten Person, welche zur
Zeit des Todes des Testators lebt, testamentarisch bedacht werden,
selbst wenn sie noch nicht empfangen sind."
Die italienische Doktrin und Praxis geht übrigens von
der Ansicht aus, daß nach rein römischem Recht die Einsetzung
nichtig sei; dagegen habe die Auffassung unter der Herrschaft
des recipirten römischen Rechts, des,^'u8 receptum" sich für
die Gültigkeit einer solchen Erbeinsetzung ausgesprochen; offen-

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