Full text: Jahrbücher für die Dogmatik des heutigen römischen und deutschen Privatrechts (Bd. 23 = N.F Bd. 11 (1885))

Der deutsche Civilproceß in praktischer Bethätigung.

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Grundstücks ein formelles Recht schaffen, vermöge dessen gut-
gläubige Erwerbungen von Rechten am Grundstück Schutz
finden sollten. Aber diese juristische Konstruktion des Verhält-
nisses schwebte den Verfassern nur sehr unbestimmt vor. Mit
der Eintragung im Grundbuche glaubte man wirklich ein voll-
endetes materielles Eigenthum zu schaffen. Man rühmte sich,
daß damit der verwirrende Gegensatz des altpreußischen Rechtes
zwischen natürlichem (wahren) und bürgerlichem (fingirten)
Eigenthum vollständig überwunden sei. Eine Anfechtung des
auf Eintrag beruhenden Eigenthums hielt man zwar nicht für
ausgeschlossen, meinte aber, das könne nur eine Deliktsklage,
aus Betrug, Fälschung rc., sein. Daß die „Auflassung" — so
nannte der Entwurf die beiderseitige Einwilligung in die Eigen-
thumsüberschreibung — ein Vertrag sei und daß dieser Ver-
trag doch auch an Mängeln leiden könne, welche den Eintrag
zu affiziren geeignet seien; daß nicht minder die auf andere
Gründe hin vollzogene Eintragung eine irrige sein könne, und
daß dann das eingetragene Eigenthum jedenfalls in erster
Hand müsse angefochten werden können, davon hatte man
keine Ahnung. Deshalb sollten aber auch die von dem ein-
getragenen Eigenthümer eingeräumten Rechte unbedingt gel-
ten, ohne Rücksicht auf guten Glauben und Entgeltlichkeit des
Erwerbs. Das war das neue Eigenthumssystem.
Was die Hypothek betrifft, so sollte für diese der Grund-
satz der Mecklenburger Gesetzgebung von der „selbständigen Real-
obligation", von der „Unabhängigkeit der Hypothek von der
persönlichen Forderung" adoptirt werden. Man hatte aber
diesen Begriff durchaus unrichtig aufgefaßt. Der Begriff be-
deutet im Sinne des Mecklenburger Rechts nichts anderes, als
daß die Möglichkeit gegeben werde, ein Grundstück für eine
Schuld haftbar zu machen, ohne sich zugleich persönlich (d. h.

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