Volltext: Jahrbücher für die Dogmatik des heutigen römischen und deutschen Privatrechts (Bd. 23 = N.F Bd. 11 (1885))

Civilistische Kleinigkeiten.

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vielen der unten vorzuführenden Stellen, die von kalsa de-
monstratio handeln, an den Fall des Irrthums gedacht ist.
Trotz alle dem glauben wir diesen Weg nicht gehen zu können.
Brinz begründet die von ihm gemachte Unterscheidung
so. Im Falle der Zerstreutheit sei mit dem falschen Namen
u. s. w. nicht, wie im Falle des Irrthums, „dasjenige be-
zeichnet. was man in corpore bezeichnet haben wollte, sondern
etwas, das man weder zuvor gewollt, noch im Augenblicke der
Benennung selbst mit der Kraft des Willens erfaßt hat". Ge-
wiß: wenn ich in der Meinung, der A. heiße B., den B. ein-
setze, so habe ich den A. gewollt — oder um die Sache für
das Gebiet der eigentlichen Demonstratio richtig auszudrücken:
wenn ich den X.. dem das Prädicat A. zukommt, durch Be-
zeichnung mittelst des Prädicates B., das ich ihm irrthümlich
beilege, einsetze, so habe ich den X. gewollt. Wenn ich aber
mich aus Zerstreutheit verspreche und den B. einsctze: kann
man da sagen, ich habe den A. nicht gewollt? Ulpian ist
nicht dieser Meinung: yuotiens volens alium fi eredem
scribere alium scripserit; und in der That kann man den
Begriff „sich versprechen" gar nicht vollziehen, ohne zu denken,
daß etwas anderes gewollt (gedacht), etwas andres gesprochen
ist. Wer spricht, ohne überhaupt zu denken oder zu wollen,
von dem sagt man nicht, daß er sich verspreche. Nicht nur
vorher hat der Sprechende einen Andern, den A., gewollt,
sondern auch noch während er B. sagt oder schreibt,
will er den A., da er ja nur Kraft des Willens, den A. ein-
zusetzen , überhaupt spricht oder schreibt. Daher steht auch
bei Ulpian das Partie, praes. volens (nicht etwa cum
voluisset). Also: der B. ist allerdings vom Willen verlaffen,
aber keineswegs der A.; den A. erklärt Ulpian (und
zwar im Gegensatz zu B., welcher voluntate deficitur) des-
wegen als nicht zur Erbschaft berufen, yuoniam scriptus non

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