Full text: Jahrbücher für die Dogmatik des heutigen römischen und deutschen Privatrechts (Bd. 23 = N.F Bd. 11 (1885))

Civilistische Kleinigkeiten.

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sondern das schließliche Resultat für die Vermögenslage des
Empfängers in Betracht zieht, mehr, als derjenige, welcher
credendi oder solvendi causa, giebt. Von diesem Stand-
punkte aus läßt sich die causa donandi mit der causa cre-
dendi oder solvendi in quantitativem Sinne ver-
gleichen, und als das maius im Gegensatz zu dem minus
auffaffen. Ja es läßt sich die causa credendi der causa
donandi gradatim annähern. Denkt man sich Hingabe eines
unverzinslichen Darlehens mit Verpflichtung zur Rückgabe in
10, 50, 100, 1000 Jahren: so kommt man einer donatio um
so näher, je mehr man die Zahl der Jahre erhöht; und man
könnte danach die Schenkung einer Geldsumme definieren als
unverzinsliches Darlehen rückzahlbar nach unendlich langer
Zeit6). Aehnlich ist es mit der causa solvendi.
Für unseren Zweck genügt vollständig die Möglichkeit,
sich die causa donandi im Vergleich mit der causa credendi
als das waius zu denken, in dem das minus mitenthalten ist.
Wenn man sich auf diesen Standpunkt stellt, dann ist Julians
Entscheidung des zweiten Falles der L36 parallel zu der des
Pomponius in I. 52 loe. eonä. 19, 2:
si decem tibi loecm kunäum, tu autem existimes
quinque te conducere, nihil agitur: sed et si ego mi-
noris me locare sensero, tu pluris te conducere, utique
non pluris erit conductio quam quanti ego putavi.
Entsprechend konnte Julian sagen: wenn der Geber darleihen
will, der Empfänger Schenkung meint, nihil agitur; wenn
aber der Geber schenken will, der Empfänger Darleihen meint,
so geht Eigenthum über.
Von diesem Standpunkte aus, den zufolge des constat
6) Etwa wie man parallele Linien definiert als in derselben Ebene ge-
legene Linien, die sich in unendlicher Entfernung schneiden. Freilich kommt
man zu „unendlich" immer nur mittelst eines Sprungs.

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