Full text: Jahrbücher für die Dogmatik des heutigen römischen und deutschen Privatrechts (Bd. 23 = N.F Bd. 11 (1885))

Unger, DaS Wesen der Eorrealobligation.

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diese mehreren Obligationen mit einander verbunden: sie hängen
unter einander zusammen, machen mit einander ein Ganzes
aus und bilden somit Eine Obligation."
Holder wendet dagegen ein: ..Bilden die mehreren Obli-
gationen deshalb eine Obligation, weil sie unter einander Zu-
sammenhängen und bilden die mehreren Promittenten durch
den unter ihnen bestehenden Zusammenhang einen Promit-
tenten. so bilden ebenso die mehreren zu einer Heerde ver-
einigten Thiere durch ihre Vereinigung ein Thier" (S. 32).
Ist diese deductio ad absurdum als gelungen zu be-
trachten ?
Das Fehlerhafte in der Beweisführung Hold er's liegt
darin, daß ungleichartige Größen einander gegenüber gestellt
werden und aus der Unmöglichkeit der Existenz der einen die
Unmöglichkeit des Vorhandenseins der andern gefolgert wird.
Alle Collectiva werden in der Vorstellung und für die Vor-
stellung gebildet: indem eine Vielheit von Dingen in Gedan-
ken zu einer Einheit zusammengefaßt wird, entstehen Begriffs-
ganze, begriffliche Einheiten. Ganz verschieden hievon ist
die Vereinigung mehrerer körperlicher Sachen zu einem körper-
lichen Ganzen, zu einer körperlichen Einheit. Die An-
nahme, daß mehrere Obligationen zufolge ihrer Zusammenge-
hörigkeit eine begriffliche Einheit, eine Obligation aus-
machen, kann daher nicht durch die Folgerung widerlegt wer-
den, daß dann auch mehrere Thiere zufolge ihrer Zusammen-
gehörigkeit eine körperliche Einheit, ein Thier ausmachen
müßten. Mit demselben Rechte könnte man die Möglichkeit eines
„vereinigten Landtages" oder eines „vereinigten Königreiches"
mit der Motivirung bestreiten wollen, daß es dann auch ein
„vereinigtes Schaf" oder ein „vereinigtes Pferd" geben müßte.
Die deutschrechtliche Formel aber, daß mehrere Personen „wie
Ein Mann" eintreten, einstehen, hasten, will eben ausdrücken,
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