Volltext: Jahrbücher für die Dogmatik des heutigen römischen und deutschen Privatrechts (Bd. 26 = N.F Bd. 14 (1888))

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Prof. Dr. I. Köhler,

gehört nicht in das Gebiet der Pertinenz; alles dieses beruht
auf den Rechtssätzen des Legatenrechts, es beruht nicht auf
den Rechtssätzen des Sachenrechts. Ideen, welche d'er Zweck-
bestimmung der Vermächtnisse entsprungen sind, geben hier
den Ausschlag, nicht Ideen, welche aus der Natur und Zweck-
bestimmung des Eigenthums hervorgehen.
Von einer Pertinenz im sachenrechtlichen Sinne kann man
daher nur dann sprechen, wenn die Beziehung der einen Sache
zu der anderen eine solche ist, daß auch ohne einen die pertinen-
tiale Sache treffenden Verfügungsakt dieselbe der Hauptsache
folgt und in den Rechtsnexus der Hauptsache tritt, d. h. sich
ihren Rechtsschicksalen anschließt.
Zwar sind nicht alle Kategorien, von welchen Pothier
spricht, noch in unserem Rechtsleben in kräftiger Praxis. So
ist die garde der Minderjährigen in der Art früherer Ooutumes
verschwunden, der Retrakt hat wenig Bedeutung mehr; und
ebenso ist die Zertheilung des Vermögens im Erbgange nach
der Art und Herkunft der Güter selten; um so mehr gilt
aber noch das Gütergemeinschaftsrecht; und von höchster Be-
deutung wird das ganze Institut im Hypothekenverkehr —
denn die Stunde der Mobiliarhypotheken hat geschlagen, und
wenn dessenungeachtet eine Mobilie von der Hypothek ersaßt
werden kann, sofern sie die Pertinenz einer verpfändeten
Immobilie bildet, so ist dies ein hervorragender Ausfluß der
Pertinenzqualität. Auch noch in anderen Aeußerungen bricht
das Pertinenzverhältniß durch, so insbesondere wenn eine
Mehrheit von Vermögensmaffen vorliegt, wie das Stamm-
oder Fideicommißgut und das allodiale freie Vermögen u. s. w.
— es bricht hervor und giebt sich in einer Reihe wichtiger
rechtlicher Erscheinungen kund.
Allerdings zeigt sich die Bedeutung dieser Rechts-
kategorie auch in der Lehre von den Dispositionen — von

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