Full text: Jahrbücher für die Dogmatik des heutigen römischen und deutschen Privatrechts (Bd. 26 = N.F Bd. 14 (1888))

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Dr. O. Bähr,

der Regel von dem Verkaufe des Hauses und der Uebernahme
der Miethen die Miether in Kenntniß, und diese tragen kein
Bedenken, den Käufer als Eigenthümer anzuerkennen. Sie
müssen sich natürlich die Gewähmng der Wohnung auch von
diesem gefallen lassen und haben kein Recht, die bestehenden
Miethverträge aufzuheben. An ihn als Cessionar haben sie
fortan das Miethgeld zu bezahlen. Erfüllte derselbe die Ver-
pflichtungen aus dem Miethverträge nicht, so könnten sie ihn
nach den Regeln der Schuldübernahme direkt in Anspruch
nehmen, könnten sich aber auch, so lange sie ihren ursprüng-
lichen Vermieter nicht freigegeben, an diesen halten. Erwägt
man, mit welchen unendlichen Schwierigkeiten alle die hier
einschlagenden Rechtslehren in der Theorie zu kämpfen haben,
und wie gleichwohl tausendfach diese Verhältnisse sich leicht
und einfach abwickeln, so gewinnt man die trostreiche Zuversicht,
daß auch ohne Hülfe der Jurisprudenz das Leben sich einiger-
maßen durckzuschlagen weiß.

XXX.
Wo die preußische Grundbuchgesetzgebung von 1872
Geltung gewonnen hat, sind in den Rechten an Grundver-
mögen — Besitz und Eigenthum — tief eingreifende Ver-
änderungen eingetreten. Dieselben knüpfen sich an die Sätze:
1) daß Eigenthum unter Lebenden nur durch gerichtliche
Auflassung übertragen werden kann;
2) daß alles Grundeigenthum auf den Namen des obrig-
keitlich festgestellten Eigenthümers im Grundbuche eingetragen
werden soll, mit der Wirkung, daß an diesen Eintrag bestimmte
Rechte sich knüpfen.
Beide Institutionen, Auflassung und Eintragung, stehen
durchaus nicht in einem nothwendigen inneren Zusammenhang.

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