Volltext: Jahrbücher für die Dogmatik des heutigen römischen und deutschen Privatrechts (Bd. 26 = N.F Bd. 14 (1888))

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Dr. O. Bähr,

Wie aber, wenn bei einer dieser Handlungen die Streitenden
zusammengeftoßen waren und der Eine den Andern hierbei
gewaltsam zurückgedrängt hatte? War damit nun die Besitz-
srage zu seinen Gunsten entschieden? Nach der Anordnung
des Prätors sollte das nicht eintreten. Dritten gegenüber
mochte der Sieger zur Behauptung seines Besitzes auch auf
diese durch seine physische Kraft durchgesetzten Besitzhandlungen
sich berufen. Demjenigen gegenüber aber, welcher durch die
That gezeigt hatte, daß er den Besitz des Andern nicht aner-
kenne, sollte dann, wenn der letztere mittels des inttzrä. uti
xo88iäeti8 die Besitzfrage wider ihn zur Entscheidung brachte,
die nur mittels Gewalt durchgesetzte Besitzhandlung nicht
mitzählen. Hatten beide Theile abwechselnd mit Gewalt Besitz-
handlungen gegeneinander durchgesetzt, so zählte jede dieser
Besitzhandlungen nicht mit. Nicht zweifelhaft aber dürfte es
sein, daß derjenige, welcher schließlich bei einem Zusammen-
stoß den Gegner mit Gewalt vertrieben hatte, wenn er schon
außerdem die überwiegenden Besitzhandlungen für sich hatte,
bei Anstellung des interä. uti possidetis nicht etwa deshalb
unterliegen konnte, weil er einmal Gewalt geübt'"). Denn
er hatte ja durch diese Gewalt nur seinen berechtigten Besitz-
stand sich erhalten.
In gleicher Weise sollten bei Beurtheilung des Besitz-
standes Handlungen nicht mitzählen, die in geflissentlicher
Berheimlichung vor dem Gegner — denn das bedeutet das
elam") — vorgenommen waren. Wer in dieser Weise
Besitzhandlungen vornimmt, zeigt damit, daß er entweder kein
gutes Gewissen hat, oder daß er fürchtet, der physischen Kraft
des Gegners nicht gewachsen zu sein. In beiden Fällen
23) I. 1 § 28 D, de vi: Qui per vim possessionem suam retinuerit,
Labeo ait, non vi possidere.
24) 1. 6 pr. de poss. 41, 2. 1. 3 § 7. 8 D. quod vi aut clam 43, 24.

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