Full text: Jahrbücher für die Dogmatik des heutigen römischen und deutschen Privatrechts (Bd. 26 = N.F Bd. 14 (1888))

Zur Lehre von den Pertinenzen.

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Felde trennt — das Land dadurch der Verwüstung anheim-
gebend? Oder ist es ein richtiges System, wenn die Rechts-
ordnung ein industrielles Etablissement auseinandersplittert und
dem einen den Boden mit den in den Boden eingemauerten
Maschinen, dem andern die Fässer, Bütten, Brennkolben, die
Eimer, die Schöpfgefäße, die Siebe, die Pumpen und Spritzen
zuweist — aus einer wohlgefügten Farbenfabrik würde ein
planloses, unbrauchbares Chaos; aus einem technischen Ganzen
würde eine ungefügte und unfügbare Detailmasse.4) Eine
Rechtsordnung, welche zu solchen Resultaten führt, Entspricht
den Kulturzwecken nicht, sie stört die Produktion, sie trifft dadurch
den Wohlstand der Nation ins Mark — eine Fabrikation,
welche die Quelle des Wohlstandes für eine ganze»Gegend
geworden, welche der Nation ein commercielles Uebergewicht
über die Nachbarstaaten gegeben, wird vernichtet, und die
Nation kann durch mühsame Neugründung sich wieder zu ver-
schaffen suchen, was ein verfehlter Rechtssatz jählings ge-
stört hat.
Nicht die Willkür des Einzelnen, sondern allgemeine
Kulturzwecke sind die Schöpfer der Pertinenzprincipien: Darum
müssen auch diese Kulturzwecke bestimmen, welchen organischen
Zwecksachen die Qualität der Pertinenzen zukommt. Wesentlich
ist, daß dieselben in einer bestimmenden Weise beitragen zu
gewissen Lebenszwecken, seien dies nun Zwecke der Produktion
oder der Consumtion, und daß sie dazu beitragen, nicht nach
der speciellen Produktions- und Consumtionsweise eines Ein-
zelnen, sondern nach der Produktions- und Consumtionsweise,
wie sie in der betreffenden Kultur üblich und herkömmlich ist,
so daß eine Fortdauer der Verbindung die Möglichkeit fort-

4) Man vgl auch die vortreffliche Entscheidung des Oberlandesgerichts
Kiel I6./1. 1885, Seuffert Bd. 40 »r. 178.

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