Volltext: Jahrbücher für die Dogmatik des heutigen römischen und deutschen Privatrechts (Bd. 26 = N.F Bd. 14 (1888))

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Prof. Dr. I. Köhler,

der Hauptsachenhypothek folgt, in gleicher Weise von der gesetz-
lichen Hypothek, wie von der vertragsmäßigen, und er gilt
in gleicher Weise von der Hypothek, welche durch gerichtliche
Pfändung, durch gerichtlichen Güterbeschlag entsteht.
Allerdings kann die Parteiversügung die Pertinenz aus-
schließen — allein dann bedarf es einer Gegenerklärung, es bedarf
eines contra, es genügt nicht ein bloßes non; es bedarf einer
Gegenverfügung, es genügt aber auch eine Gegenverfügung,
es bedarf keiner körperlichen Sonderung — denn durch Gegen-
verfügung kann der Pertinenzzusammenhang gelöst werden —
wie solches alsbald näher zu entwickeln ist.
Der Grund des gesetzlichen Satzes nun, welcher der Per-
tinenzqualität die gedachte verbindende sachenrechtliche Wirkung
einräumt, liegt klar zu Tage. Auch hier muß man sich von
der individualisirenden, atomisirenden Rechtsanschauung fern
halten, welche alles auf den Willen und auf die Willkürakte
der Einzelnen zurückführen will. Die Ideen des Rechts ent-
springen aus dem Kulturleben der Gesammtheit, und die Kultur-
zwecke der ganzen Nation bilden die Leuchte, an welcher sich die
Fackel des Rechts entzündet. Die rechtliche Bedeutung der
Pertinenzqualität beruht daraus, daß die Zweckverbindung ver-
schiedener Sachen im Interesie der Kultur ist, daß eine Auf-
lösung einer solchen durch Zweckverbindung geschaffenen Or-
ganisation und eine Zersplitterung der durch den Zweck ver-
bundenen Sachen zugleich den Kulturverband der Sachen löst
und die Erreichung derjenigen Kulturzwecke hindert, welchen
die Sachen in ihrem Zusammenhänge dienen sollen. Man
denke an Pothier's Beispiel: das Landgut ist mit Acker-
vieh und Saatkorn versehen — ist es ein richtiges Princip,
wenn die Rechtsordnung lediglich aus dem Grunde, weil eine
Mehrheit physischer Sachen vorliegt, eine getrennte rechtliche
Behandlung eintreten läßt und Ackervieh und Saatkorn vom

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