Full text: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handels- und Wechselrechts (N.F. Bd. 2 = Bd. 27 (1873))

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Königreich Sachsen. Art. 353.

die (stillschweigende) Versicherung der vertragsmäßigen Beschaffen-
heit, vielmehr die (stillschweigende) Aufforderung an den Käufer,
selbst die Waare zu besehen.
In dem vorstehend entwickelten Sinne hat auch von Hahn
in seinem Commentar Bd. II S. 256 f. den Art. 350 verstanden.
Zum Schluffe mag auch noch auf ein practisches Bedenken
gegen die gegentheilige Ansicht hingewiesen werden. Die wohl-
thätigen Bestimmungen des Art. 347 und 349 verlieren zu einem
großen Theile ihre Bedeutung. Der Käufer, der die Frist zur
Anzeige der Mängel nicht innegehalten, wird geneigt sein, mit
der Behauptung .hervorzutreten, die wenigstens auch vielfach der
Wahrheit entsprechen wird, daß der Verkäufer selbst die vertrags-
widrige Beschaffenheit der Waare bei deren Zusendung gekannt
habe."
Erkenntniß des R.-O.-H.-G. vom 13. April 1871.
Vergl. Zeitschrift für Rechtspflege u. V. Reue Folge
Bd. XXXVII. S. 253 f. W.
Art. 353.
Begriff des Marktpreises einer Waare.
Bei Abfassung des Handelsgesetzbuches
Bergl. von Hahn, Commentar Bd. I S. 203 s., Bd. II
S. 119 f.
Goldjchmidt, Handbuch Bd. I Abth. 2 S. 587Note28,
S. 591 Note 39,
hat die Frage, ob der im Gesetze mehrfach vorkommende Begriff
des Marktpreises eine amtliche, an gewisse örtliche Einrichtungen
geknüpfte Feststellung des letzteren bedinge, nach Anleitung des
Preußischen Entwurfs vielseitiger Erörterung unterlegen und,
nachdem sie in zweiter Lesung zu Aufnahme einer besonderen Be-
stimumng in bejahendem Sinne geführt hat, schließlich doch in
dritter Lesung eine Beantwortung im entgegengesetzten Sinne ge-
funden. Die vorgedachte Bestimmung wurde bekämpft, weil sie
den Begriff des Marktpreises an gewisse besondere Einrichtungen
knüpfe, die weder überall beständen, noch, selbst wenn solches der
Fall, für zahlreiche Artikel von unstreitig marktgängiger Waare in
Geltung sein, häufig überdies in derjenigen Modalität, in welcher

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