Full text: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 19 (1870))

12 Großherzogthum Baden. Art. 47. 52. 55. 322.
kauf des Kaffee's an I. anzeigt, auf ein Telegramm des Beklagten
selbst vom gleichen Tage, worin dem M. angezeigt wird, daß der
Kaffee gekauft fei, sowie aus spätere Telegramme des M., in
welchen dieser die Absendung des Kaffee's anordnet, aus welchen
Verhandlungen sich ergeben soll, daß nicht nur der Kläger schon
am 26. August auf den Kaufantrag des Beklagten unbedingt ein-
gegangen sei, sondern daß er auch später, nachdem Z. die Bedin-
gung wegen der Stinkbohnen zurückgewiesen gehabt, die Versen-
dung des (später gelieferten) Kaffee's angeordnet und auch da-
mit — durch Verzicht auf seine anfängliche Kaufbedingung — den
ursprünglichen Kaufantrag des Beklagten angenommen habe. Allein
dich Vorbringen ist hinfällig. Daß Kläger nicht unbedingt auf
den Kaufantrag des Beklagten einging, vielmehr einen neuen An-
trag stellte, ergibt sich aus dem Briefe des M. vom 26. August,
der dem Telegramm als Erläuterung dient und den wahren
Willensausdruck des Klägers enthält; hat etwa der Agent darin
gefehlt, daß er das Telegramm nicht gleichlautend abfaßte, oder
aber der Beklagte darin, daß er die Ankunft des herkömmlichen
Erläuterungsbriefs nicht abwartete, sondern sofort auf das Tele-
gramm hin Anschaffungen machte oder den Kauf für abgeschlossen
erachtete, so sind dich Ansichten und Handlungen, welche den Kläger
nicht berühren, vielmehr nur das Verhältniß zwischen dem Principal
und dem Agenten betreffend. Das Telegramm des Beklagten
vom 26. August hat hiernach dem Kläger gegenüber keine Rechts-
wirkung, insoweit es der brieflich erläuterten Willenserklärung des
Klägers nicht entspricht; dasselbe gilt bezüglich der späteren Corre-
spondenz zwischen Z. und seinem Agenten M.; denn keine Er-
klärung des Letzteren kündigt sich bestimmt als Willenserklär-
ung des I. an, der Brief des M. vom 30. August drückt viel-
mehr nur eine Ansicht des Agenten aus, und der Brief vom
31. August, sowie das Telegramm vom 1. September treffen An-
ordnungen der Verladung, welche nach ihrem Wortlaute nur als
solche des Agenten aufgefaßt werden können.
„Eine außerhalb 'jenes Wortlautes etwa liegende Erklärung
oder Anordnung des Klägers selbst, aus der sich ergeben könnte,
daß die Anordnung des Agenten der Wille des Klägers sei, ist
vom Beklagten nicht mit der nöthigen thatsächlichen Begründung

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