Full text: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 2 (1864))

434 Inwieweit haftet der Frachtführer und Schiffer für Verlust, insbesondere
Dagegen könne nicht verlangt werden, daß der Schiffer, welcher
neben der Hafenwache vor Anker liege, besondere Wachen gegen Raub
und Einbruch aufstelle.
Für diese Ausführung Goldschmidts spricht aber auch 1.3, § 4 h. t.
(4. 9), insofern es dort heißt: Incta Labeo scribit: si quid nau-
fragio aut per vim piratarum perierit, non esse iniquum
exceptionem ei dari. Was ist die Wegnahme durch Seeräuber
anders als ein vom Schiffer in der Regel mit aller Sorgfalt nicht
abzuwendender Raub oder Diebstahl, denn es lassen sich auch Fälle
denken, in denen der Schiffer die Gefahr des Seeraubes voraussehen
und vermeiden konnte.
Sonach kommt Goldschmidt zu dem Satze :
Weder findet unbedingte Haftung für dam-
num und furtum statt, so weit solche nicht von den
Dienstleuten und Passagieren ausgehen, noch
auch nur die gewöhnliche, sondern eine in beiden
Beziehungen verstärkte, derenUmfang, unterBe-
rücksichtigung des Grundgedankens beim recep-
tum und der bezweckten strengen Haftung, der
Richter im einzelnen Falle nach vernünftigem Er-
messen zu bestimmen hat. Nur was darüber hinaus
liegt, ist nicht vertretbarer Zufall: vis major,
damnum fatale im Sinne unserer Lehre.
Kehren wir nun zu dem Art. 395 unseres H.-G.-B. zurück, um
zu prüfen: ob derselbe durch Hinzufügung der Paranthese mit den
Worten (vis major) an Deutlichkeit und Präeision gewonnen hat?
Diese Frage möchte kaum zu bejahen sein.
Doch kommt man nach der gründlichen Erörterung Goldschmidts
im Wesentlichen zu dem von uns oben aus den im Gesetzbuch gebrauch-
ten deutschen Worten „höhere Gewalt" gezogenen Ergebnisse.
Es fehlt dem Schlußsätze Goldschmidts an Bestimmtheit. Es
ergeben sich aus diesem Schlußsatz zwar die bestimmten negati-
ven Resultate, daß so wenig die unbedingte Haftung des Schiffers
und Frachtführers für das furtum als die nur aus einem Versehen
hervorgehende gewöhnliche Haftung eintritt, dagegen fehlt es an
einem positiven Maaßstabe für die wirklich stattfindende Haftung.
Diese soll nach Goldschmidts Auffassung aus dem Grundgedanken

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