Full text: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 2 (1864))

302 Die Beweiskraft der Handelsb. nach dem allg. d. H.-G.-B.
die Bücher der römischen Argentarien und Mensularien berief, und
übersah, daß es sich dort nicht um die ausnahmsweise Gewährung
von Beweiskraft, sondern um die bindende Form eines Vertrages han-
delte. 3 4) Das Betreten eines falschen Weges in der Schaffung einer
künstlichen Beweismittellehre, in der man Beispiele, welche für den
Einzelnfall oder auch für eine Reihe gleichartiger Fälle richtig sein
mochten, als allgemeingültige Gesetze aufstellen und die freisolgernde
Beurtheilung durch Casuistik ersetzen wollte, führte zu Widersprüchen,
sachwidrigen Ungleichheiten und Privilegien, namentlich stellte man
als ein solches der Kaufleute die Beweiskraft ihrer Handelsbücher
hin. Längst stimmen gemeines Recht, Landesgesetzgebungen und
Lehrbücher darin überein, daß den ordnungsmäßig geführten kauf-
männischen Handelsbüchern eine eigenthümliche Beweiskraft bei-
wohne, nur über das Maß derselben walten Verschiedenheiten ob
und Aufgabe der Nürnberger Verhandlungen über ein allgemeines
deutsches Handelsgesetzbuch war es, hier eine Einigkeit zu erzielen.
Die österreichischen Entwürfe eines Handelsrechts mit ihren

3) Puchta, Institut. Bd. III, S. 100. Auch auf den Talmud hat man sich
berufen. Hommel, literar. jur. p. 39.
4) Die Hamburger Statuten von 1497 enthalten noch nichts über die Be-
weiskraft der Handelsbücher, obwohl in den Statuten von Piacenza 1391 und
Bologna 1454 bereits der Beweiskraft der Bücher der camp8ore8 gedacht ist. Da-
gegen bestimmen die Hamburger Statuten von 1605 in wörtlicher Uebereinstim-
mung mit Art. 5. 6 der neuen revidirten Gerichtsordnung von 1711: „Wenn
Kaufleute und diejenigen, so offen Kram und Laden halten, auch Brauer, ihre
Schuld und andere Handelsbücher zu Beweisung ihrer daselbst eingeschriebenen
Schulden und Handlung, gerichtlich produciren; und dieselbigen Kauf- und Han-
delsleute in ihren Gewerben aufrichtig befunden, und eines guten Nahmens und
Leumuths sind; auch ihre Handelsbücher ordentlich und richtig, ehrbarer Kauf-
leute Gebrauche gemäß, gehalten, und darin nicht allein oreäitum, sondern auch
debitum, mit Benennung Jahres, Monats und Tages, geschrieben, die Ursache
der Schuld gemeldet; und dieselbe Schuld nicht übermäßig; und der Gegentheil
solche Bücher durch keine Gegenbeweisung, oder rechtmäßige Vermuthung, kann
ablehnen; so wird ihnen, in Sachen ihr Gewerbe und Handthierung belangend, so
viel Glauben« gegeben, daß dem Producenten der Eid zu völliger Beweisung, zu-
erkannt werden mag. — Da aber der Kauff und Handelsmann der eines guten
Namens gewesen, Todesverfahren wäre, und seine Handelsbücher, in dem Maße
wie vorgedacht, gehalten hätte , soll denselben Büchern, nach seinem Tode, voll-
kommen Glaube gegeben und darauf erkannt werden.

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