Full text: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 11 (1867))

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Königreich Preußen. Art. 702 flg. (708. 390 flg.)

Stranden des Schiffes involvirt nicht nothwendig
eine große Haverei.
Erk. des App.-Ger.-Hofs zu Köln vom 13. Decbr.
1866. (Archiv für d. Civ.- und Crim.-R. der Rheinprovinz,
Bd. 60, Abth. 1, S. 210.)
Am 4. Octbr. 1863 fuhr das Dampfschiff Nr. 23 der nieder-
ländischen Dampfschiffs-Rhederei (Klägerin) auf einen harten Gegen-
stand, erhielt einen bedeutenden Leck, wurde auf das Ufer dirigirt
und saß bald auf dem Flußbette fest. Bei dem Stranden am Ufer erlitt
dasselbe zwar keine weitern Beschädigungen, wohl aber noch bei den spä-
teren Hebungsarbeiten, welche selbst bedeutende Kosten veranlaßten.
Die Klägerin, die Vorschriften über Haverei bei der Seeschiff-
fahrt im 5. Buche des H.-G.-B. auch hier für analog anwendbar
haltend und den Fall als große Haverei betrachtend, ließ eine
Haverei-Berechnung aufstellen, und verlangte demgemäß von den
Eigenthümern der geladenen Waaren nach Maßgabe jener Vor-
schriften über Haverei einen verhältnißmäßigen Beitrag zu den ver-
anlaßten Kosten.
Das Handelsgericht zu Köln wies den Anspruch der Rhederei
ab, weil, wenn es auch im Allgemeinen die analoge Anwendbarkeit
der Vorschriften über Haverei nicht verneinte, es doch annahm, daß
Untergebens ein Fall der großen Haverei nicht vorliege.
Der Appell.-Ger.-Hof verwarf die dagegen von der Klägerin
eingelegte Berufung, indem er u. A. ausführte:
„I. E. daß die Bestimmungen des 5. Buchs des H.-G.-B. über
das Seerecht überall in dem engsten Zusammenhang mit den beson-
deren Interessen und Verhältnissen des Seehandels und der See-
schifffahrt stehen, und daher eine Anwendung auf andere Ver-
hältnisse, namentlich auf die Flußschifffahrt, nicht finden können,
welche letztere in den Art. 390 ff. H.-G.-B. als ein gewöhnliches
Frachtgeschäft behandelt wird;
daß insbesondere auch die Bestimmungen über die große Ha-
verei eine ausgedehnte Anwendung des Grundsatzes enthalten, daß
der Schaden und Nachtheil, der zur Abwendung einer gemeinschaft-
lichen Gefahr freiwillig übernommen wird, gemeinschaftlich zu tragen
sei — ein Grundsatz, der bei dem gewöhnlichen Frachtgeschäft aus
dem Frachtverträge in solcher Ausdehnung jedenfalls nicht gerecht-

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