Full text: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 14 (1868))

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Abhandlungen.

wohl auch ist; so glaube ich doch, um den Standpunkt genau zu be-
zeichnen, einiges hierüber bemerken zu müssen, da wie auch Wächter
im Archiv für Rechtswissenschaft re., 15. Bd., S. 99 flg. zeigt, der
Gebrauch dieses Ausdrucks vor unserem Gesetze immer noch schwan-
kend war, zumal man sehr unrichtig meist den Verlust des Eigen-
thums für den Eigenthümer, statt des allein in Berücksichtigung
kommende Tragens der Gefahr im Auge hat — Sint enis, Civil-
recht, 2. Bd., §108, Anmerk. 45, S. 473, 2. Aust. — Als Gefahren
der Seereise nennt Benecke, a. a. O., 3.Bd.,S. 191: Stürme, Klip-
pen, Nachstellungen von Feinden und Seeräubern, Unwissenheit und
Betrug der Seeleute, Handelsverbote, und sonstige hemmende poli-
tische Maßregeln. Pöhls, a. a. O., 1. Bd., S. 252 flg., wel-
cher als Hauptarten der Versicherungsgefahr Seegefahr, Kriegs-
gefahr, Feuersgesahr, Havarie und Unkosten nennt, führt bei ersterer
namentlich Sturm, widrigen Wind, Strandung, Stoßen (heftiges
auf den Grund oder einen andern harten Gegenstand), Scheitern
(Beschädigung oder Vernichtung eines gestrandeten Schiffes durch
die Wellen), Kentern (Umschlagen des Schiffes, daß der Kiel nach
oben steht), Ansegelung (siehe Art. 736 flg.), Schaden ohne nach-
zuweisende Ursache, und Havarie grosse (siehe Art. 702 flg.) auf.
Der französische Code de Commerce, liv. II, tit. 12, § 380 nennt:
tempete, naufrage, echouement, abordage fortuit, change-
ments forces de route, de voyage ou de vaisseau, par jet, feu,
prise, pillage, arret par ordre de puissance, declaration de
guerre, represailles, et tout generalement par toutes les autres
fortunes de mer (unvorhergesehene und unvermeidliche Zufälle).
Der letztern Bestimmung gegenüber haben freilich, doch ohne ge-
hörigen Grund, ältere Rechtslehrer die Meinung anfgestellt, daß der
Versicherer für ungewöhnliche und außerordentliche Fälle nicht ver-
antwortlich sei — Benecke, a. a. O., S. 192. — Unter diesen
casibus insolitis, wie sie eine ältere römische Rechtstheorie nennt —
Glück, Commentar, 4. Bd., S. 392 flg. —, verstand man solche
Zufälle, die der Versicherer unmöglich vorhersehen konnte, oder auch
sogar solche, welche in einer langen Zeit, z. B. in 40 Jahren, nicht
vorgekommen sind. Das ist aber nur offenbar eine sehr willkürliche,
durch nichts sundirte Ansicht. — Die Hamburger Assecuranzordnung
von 1731 sagt Tit. 5, Art. 1: „Der Versicherer trägt allen Risico

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