Volltext: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 8 (1866))

Aktiengesellschaft; Zinsen— Dividende; Gründungskosten. 411
Drängt man hingegen den Aktionären später eine Dividende ab,
d. h. zahlt ihnen die sich rechnungsmäßig ergebende nicht aus, so
muthet man ihnen damit eine Kapitalserhöhung zu.
Es sei nun noch einmal auf das obige Beispiel zurückgegangen;
man nehme an, der kapitalslose Bauunternehmer sei durch ungünstige
Zeitverhältnisse verhindert worden, nach Ankauf des Grundstückes den
Bau sofort zu beginnen, später sei der Rohbau liegen geblieben und
habe sich die Vollendung bis zur Nutzenbringung auf Jahre verzö-
gert. Macht nun endlich der Bauunternehmer die Kostenrechnung
auf, so ist dieselbe durch die zu zahlenden Zinsen um ein Bedeuten-
des angewachsen und wird dann der Taxwerth gegenüber gestellt, so
ergibt sich, daß derselbe den Herstellungspreis bei Weitem nicht
erreicht. Dies führt dahin, in dem Abs. 2 des Art. 217 des H.-G.-
B. auf die Worte:
„für den im Gesellschaftsvertrage angegebenen Zeitraum"
besonderes Gewicht zu legen.
Der durch die Herstellung des vollendeten Ganzen der Summe
des Kostenpreises der Mittel und Bestandtheile gegenüber erzielte
Werth deckt nicht unbedingt die Zinsen der aufgewendeten Kapitalien,
sondern nur für den Fall, daß die Herstellung des Ganzen im gleich-
mäßig geordneten Wege vor sich geht.
Wenn also bei Entwurf der Statuten von der nach Art. 217,
Abs. 2 des H.-G.-B. statthaften Klausel Gebrauch gemacht wird, so
darf die Zeit der Zinsgewährung nicht eine ungemessene sein, viel-
mehr ist dieselbe dergestalt zu berechnen, daß die mehrfach gedachte
Werthserhöhung veranschlagt und diese nach einem bestimmten Pro-
zentsatz auf das Aktienkapital vertheilt wird, womit sich dann der zu-
lässige Zeitraum ergibt.
Hieraus folgt denn, daß ein Gesellschaftsbeschluß diesem Zeit-
raum, wenn etwa das Unternehmen eine längere Vorbereitung
erfordert, auszudehnen nicht befugt und im Stande ist.*)
Da die Anlage des Handelsgesetzbuches betreffend die Aktienge-
sellschaften eine staatliche Genehmigung der Statuten voraussetzt, so
hat damit die Regierung, welcher die Statutengenehmigung zusieht,
*) v. Hahn, Commentar, Bd. 1, S. 448. — Seite 447 daselbst Zeile 4 v.
unten sind wohl die Worte „nicht ungefährlich" für „nicht gefährlich" ein Druck-
fehler.

Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.

powered by Goobi viewer