Full text: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 12 (1868))

5.2. Ueber die stillschweigende Fortsetzung der offenen Handelsgesellschaft mit den Erben des verstorbenen Gesellschafters

II.

Ueber die stillschweigende Fortsetzung der offenen Handels-
gesellschaft mit den Erben des verstorbenen Gesellschafters.
Von Herrn vr. Anschütz, ord. Professor der Rechte in Halle.

Der Art. 123 des a. d. H.-G.-B.s gedenkt der stillschweigenden
Fortsetzung der offenen Handelsgesellschaft unter allen Gesellschaf-
tern nur bei dem Erlöschen der Societät durch Ablauf der Zeit,
auf deren Dauer dieselbe eingegangen ist. Die Auflösung der
Gesellschaft soll nicht eintreten, wenn die Gesellschafter dieselbe still-
schweigend fortsetzen, und in diesem Falle gilt die Gesellschaft von da
an als auf unbestimmte Dauer eingegangen (Art. 123, Nr. 5).
Ferner gestattet zwar der Art. 123, Nr. 2 die vertragsmäßige
Verabredung, daß beim Tode des einen Gesellschafters die Gesell-
schaft mit den Erben des Verstorbenen sortbestehen soll; es wird
aber hierbei zunächst nur an eine schon im Gesellschaftsvertrage oder
doch wenigstens vor dem Eintritte der Auflösung getroffene Verab-
redung gedacht, durch welche sowohl die überlebenden Gesellschafter
als die Erben des Verstorbenen im Voraus berechtigt und verpflichtet
werden sollen.
Endlich handelt zwar auch der Art. 127 von einer vertrags-
mäßigen Verabredung über die Fortsetzung der Gesellschaft, aber
nicht mit den Erben des verstorbenen Gesellschafters, sondern nur
unter den überlebenden, beziehungsweise unter den nach Ausscheiden
einzelner noch übrigbleibenden Gesellschaftern. Und diese Bestim-
mung bezieht sich ferner auch nur auf den Fall, daß überhaupt noch
mehrere Gesellschafter nach Ausscheiden eines oder mehrerer anderer
übrig bleiben, nicht aber auf den Fall, wenn die Gesellschaft nur aus
zwei Personen besteht, von denen der eine ausscheidet; denn im letzte-
ren Falle kann von einer Fortsetzung unter den übrigen überall
nicht gesprochen werden und der Art. 127 ist in diesem Falle nicht

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