Full text: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 10 (1867))

10.4. Großherzogthum Oldenburg

Großherzogthum Oldenburg. Art. 347 und 348.

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V. Großherzogthum Oldenburg.
Zu Art. 347 und 348.
Genuskauf und Specieskauf. Bedeutung der Dispo-
sition des Käufers über die ihm zugesandte Waaren-
species. Mängel derselben.
Wenn zur Effectuirung eines Waarenhandels, bei dessen Ab-
schluß die den Gegenstand desselben bildende Waare noch nicht indivi-
duell bestimmt worden ist, also eines sog. Genuskaufs, der Verkäufer
dem Käufer eine Species solcher Maaren zusendet und der Käufer
sodann ohne Protestation gegen die Annahme dieser Species über
dieselbe disponirt, so hat seine Disposition darüber die Bedeutung
einer unzweideutigen stillschweigenden Erklärung seiner Ueberein-
stimmung mit dem Willen des Verkäufers dahin, daß nunmehr
gerade diese Waare, diese übersandte Species, das Object sein soll,
über welches der Handel geschlossen worden, sodaß jetzt aus dem bis-
herigen Genuskauf ein perfect er Specieskauf geworden oder ein
solcher als neuer Specieskauf an die Stelle des früheren Genuskaufs
getreten ist. In soweit also hat schon die Disposition des Käu-
fers über die ihm zugesandte Waare an sich die Bedeutung einer
Genehmigung derselben, und von einem unmittelbar ans Er-
füllung des Kaufcontractes durch Lieferung einer andern Species
gerichteten Forderung des Käufers kann daher dann nicht mehr die
Rede sein.
Aber auch nur die Bedeutung einer soweitigen Genehmigung
der zugesandten Waare hat die Disposition des Käufers darüber
keineswegs ohne Weiteres, für sich allein, auch schon die eines Aus-
schlusses desselben mit allen Ausstellungen an der gekauften Waare.
Vielmehr unterliegt ver aus einem anfänglichen Genuskaufe hervor-
gegangene Specieskauf nicht minder, wie ein gleich anfänglich auf
die Species geschlossener Kauf, allen für den Specieskauf überhaupt
bestehenden allgemeinen Rechtsgrundsätzen und besonderen Rechts-
normen. Es verbleiben dem Käufer deshalb, trotz seiner Disposition

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