Full text: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 10 (1867))

6.10. Handelsgebräuche in Danzig

Handelsgebräuche.

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da das Handelsgesetzbuch nur die Hauptlinien vorgezeichnet hat, und
nur verzeichnen konnte. Namentlich bestehen bereits, im Interesse
der Auswanderer, viele heilsame Vorordnungen, von denen ich oben
zweier des Hamburger Senats gedachte, und wären wohl noch manche
zu wünschen.

X.
Handelsgebräuche in Danzig.
Von Herrn Stadtrichter R. Koch in Berlin.

In einem älteren Bande des Archivs*) haben wir den Versuch des
Danziger Handelsstandes besprochen, die beim dortigen Getreidehandel
bestehenden Usancen zu fixiren und in Verbindung mit gewünschten Ver-
besserungen zu anerkannter Geltung zu bringen. Wir haben damals
unsere Bedenken gegen die Aufzeichnung von Handelsgebräuchen über-
haupt, gegen den in Danzig eingeschlagenen Weg insbesondere und gegen
den Inhalt der ausgezeichneten Satzungen nicht zurückgehalten, auch später
einen Fall, in welchem dieselben bereits zu erheblichen Zweifeln geführt
haben, mitgetheilt**). Inzwischen sind nun die der Codification von
Platzusancen entgegenstehenden Gründe, anknüpfend an einen Beschluß
der Breslauer Handelskammer vom November 1864, worin von solcher
Codification Abstand genommen wurde, in einem Aufsatze des früh verstor-
benen Dr. Komp e ***) näher entwickelt. Er verneint das Bedürfniß,
weil das H.-G.--B. die Usancen bereits gesammelt habe und zunächst
gelte, sodann, weil die kaufmännischen Richter die Usancen kennen. Diese
Gründe sind u. E. wenig schlagend. Der letztere paßt nur auf die mit
solchen Richtern besetzten Gerichte, trifft nicht den außerhalb der Rechts-
pflege sich bewegenden Verkehr und das Bedürfniß des Publicmns, und
beruht auf einer Fiction. Der erstere aber ignorirt die bedeutende Rolle,
die gerade das H.-G.-B. den Handelsgebräuchen als ergänzender und

*) Bd. III, S. 335 flg.
**) Bd. IY, S. 280 flg.
***) In Goldschmidt's Zeitschrift f. H.-R., Bd. 8, S. 344 flg.

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