Full text: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 4 (1864))

Art. 95 bis 97.102 bis 104 rc. des allg. deutsch. H.-G.-B. 57
zum Betriebe der Gesellschaftsgeschäfte zu verwendenden Betrags
nicht mehr möglich."
Hier ist aber Art. 144 nicht beachtet, wonach
ungeachtet der Auflösung der Gesellschaft bis zur Beendigung
der Liquidation in Bezug auf das Rechtsverhältniß der bis-
herigen Gesellschafter unter einander, sowie der Gesellschaft
zu dritten Personen die Vorschriften des zweiten und dritten
Abschnitts zur Anwendung kommen, so weit sich aus den
Bestimmungen des gegenwärtigen Abschnitts und aus dem
Wesen der Liquidation nicht ein Anderes ergibt.
Nun verbietet aber der zweite und dritte Abschnitt den Liquida-
toren nirgend die Einklagung der rückständigen Einlagen der Gesell-
schafter, es entspricht im Gegentheil diese Einklagung dem Wesen der
Liquidation, denn deren Ausgabe ist nach Art. 142 die schließliche Aus-
einandersetzung unter den Gesellschaftern, welcher nach Art. 137 die
Einziehung der Forderungen der Gesellschaft, also auch der rückstän-
digen Einlagen der Gesellschafter vorausgehen muß.
Weiter sagt v. Hahn: „Es besteht für den einzelnen Gesell-
schafter aus dem Gesellschaftsvertrage die Verpflichtung, dem andern
Gesellschafter dasjenige zu ersetzen, was er für ihn aufgewendet hat.
Mithin kann derjenige Gesellschafter, welcher eine Gesellschaftsschuld
zahlt, von den übrigen Ersatz der sie treffenden Theile dieser Summe
verlangen. Welches ist nun aber dieß Verhältniß? Kein anderes,
als das der einzelnen Passivsaldi (deren Summe ja gleich ist der
Summe der noch unbezahlten Gesellschaftsschulden) zu einander, bez.
zu ihrer Gesammtsumme."
Hier übersteht aber v. Hahn, daß die einzelnen Passivsaldi, wie
oben bemerkt ist, auch besondere Schulden des einzelnen Gesellschafters
an die Gesellschaft enthalten können. Deshalb kann das Verhältniß
der einzelnen Passivsaldi nicht entscheiden. Die Frage, wie die von
einem Gesellschafter bezahlte Gesellschaftsschuld bei der Liquidation
zu behandeln ist, beantwortet Art. 93 dahin, daß diese Auslage dem
Gesellschafter vorweg ans dem Vermögen der Gesellschaft zu ersetzen
sind. Reicht das Vermögen dazu nicht hin, so bildet diese Auslage
einen Theil des Verlustes der Gesellschaft, welcher, wie Art. 109 be-
stimmt, in Ermangelung einer andern Vereinbarung unter die Ge-
sellschafter nach Köpfen vertheilt wird.

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