Full text: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 4 (1864))

29. Handelsgebräuche

XXV.
Handelsgebräuche.
Vom Stadt- und Kreisrichter Herrn R. Ko ch in Danzig.

Die sub No. XXVII, Bd. 3 des Archivs veröffentlichten
Handelsgebräuche beim Getreidehandel in Danzig haben bereits zu
einem Rechtsstreit von principieller Bedeutung geführt. Der in
No. 2610 der Danziger Zeitung vom 13. September 1864 ver-
öffentlichte Rechtsfall ist folgender:
,Ein hiesiger Kaufmann verkaufte an einen andern hiesigen
Kaufmann eine Partie Raps, die er aus einer kleinen Stadt in der
Nähe Danzigs empfangen; dieselbe wird geliefert und abgewogen
und es ergibt sich dabei ein so großes Manco, daß Verkäufer, der
am Abladeorte das Quantum selbst hatte empfangen lassen, einen
Jrrthum vermuthet und nochmalige Verwiegung beantragt. Dieß
geschieht nach Verlauf einiger Tage, und das Resultat ist ein noch
nachtheiligeres für den Lieferanten. Käufer behauptet nunmehr, nur
für das bei der zweiten Verwiegung ermittelte Quantum Zahlung
leisten zu müssen, während Verkäufer die erste Verwiegung als maß-
gebend für die Berechnung erachtet. Er stützt sich dabei auf § 3
der von der Corporation der Kaufmannschaft berathenen und ange-
nommenen, von den Aeltesten als Norm publicirten und im Börsen-
locale ausgehängten „Allgemeinen Bedingungen beim An- und Ver-
kauf von Getreide" vom April d. I., welcher wörtlich lautet:
Kosten des Messens und Wägens.
Die Kosten des Messens oder Verwiegens tragen Käufer und
Verkäufer zu gleichen Theilen. Wird von einem der Betheiligten
eine nochmalige Verwiegung oder Vermessung verlangt, so trägt

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