Full text: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 4 (1864))

278 lieber Versteigerungen, insonderheit im Gebiete des Handelsrechts.

schlage angegebenen Rubriken, nicht auch Zahl, Größe, Umfang und
Ertrag derselben zu vertreten sind (§ 344. 213 a. a. O.; 12,1,
52 a. G--O.)?o) Bei gerichtlichen Auctionen werden die Stücke ein-
zeln ausgerusen und öffentlich vorgezeigt, und wenn es auf Maß und
Gewicht ankommt, der Betrag bekannt gemacht (Z86,I,24a.G.-O.).
Es wird daher nur Identität und Betrag vertreten; im Uebrigen gilt
der Kauf „wie besehen." Hiernach verfährt der Verkehr auch bei
Privatversteigerungen.
Nur bei gerichtlichen nothwendigen Versteigerungen kann man
es als eine stillschweigende Bedingung ansehen, daß, wenn die Zah-
lung des Kaufgeldes nicht zur festgesetzten Zeit erfolgt, der Käufer
sich der anderweiten Versteigerung auf seine Gefahr und Kosten
unterwerfen müsse.
L. 15, § 7 in fine D. de re ind. 42, 1;
v. Holzschuher a. a. O. S. 690.
Dieß ist nicht, wie Manche behaupten, eine lex commissoria,
sondern die sog. clausula eassatoria (s. Holzschuher, S. 304;
Koch, R. d.Ford. 3, S. 825), denn der Ersteher verliert nicht, wie
bei jener (Puchta, Pandekt., ß 263), alles Recht aus dem Vertrage;
vielmehr hat zwar der Verkäufer das Recht des Wiederverkaufs, aber
der Ersteher haftet inzwischen weiter, trägt Gefahr und Ausfall,
wegen dessen er gleichfalls der Execution unterworfen ist, und erhält
Nutzungen und Ueberschuß. Entschieden ist dieß die Auffassung des
preußischen Rechts (§ 346, I, 11 a. L.-R.; § 62. 63,1, 52; § 89,
I, 24 a. G.-O.; § 20 Verord. v. 4. März 1834; § 36. 37. 38 der
Rhein. Subh.-O. v. 1. Aug. 1822).
Gemeinrechtlich ist es überaus streitig, ob die Einrede der Ver-
letzung über die Hälfte bei dem Versteigerungskauf stattfindet. Für
Handelsgeschäfte ist die Frage durch Art. 386 des H.-G.-B. erledigt.
Auch particularrechtlich ist die Einrede meistens ausgeschlossen; so in
Preußen für alle gerichtlichen nothwendigen und freiwilligen Ver-
steigerungen (§ 343,1,11 a. L.-R.). Im gemeinen Recht hat die-
selbe bekanntlich nur der Verkäufer zum Schutze gegen Nothpreise;
sie wird also ihrer Natur nach in den meisten Fällen, namentlich bei
den im Gebiet des Handelsrechts vorkommenden nothwendigen Ver-
26) Nur die Rubriken sind zu vertreten, welche bei Aufnahme der Taxe mit
veranschlagt sind — Präj. des Obertrib. No. 583, v. 16. November 1838.

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