Full text: Volume (Bd. 4 (1864))

Art. 93 bis 97. 102 bis 101 rc. des allg. deutsch. H.-G.-B. 5
Es ist dieß der im Art. 97 gedachte Fall, welcher freilich auch hier-
her gerechnet werden kann; indeß geht die Bestimmung des Art. 93
viel weiter. Während in dem zu a. gedachten Falle von baaren Aus-
lagen eines Gesellschafters für die Gesellschaft die Rede ist, werden
hier die Fälle berührt, in denen der Gesellschafter mit seinem Credit
für die Gesellschaft eintritt. Dergleichen Fälle kommen allerdings am
häufigsten bei demjenigen Gesellschafter vor, welcher die Geschäfte
der Gesellschaft zu besorgen hat. Aber auch diejenigen Gesellschafter,
welche nicht zur Geschäftsführung befugt sind, können Verpflichtungen
der Gesellschaft durch Zahlung erfüllen, oder für ihre Person noch
Verbindlichkeiten der Gesellschaft übernehmen, z. B. mit ihren nicht
in die Gesellschaften gebrachten Grundstücken Hypothek für eine
Schuld der Gesellschaft bestellen. Wenn in solcher Weise ein Gesell-
schafter der Gesellschaft zu Hülfe kommt, so haftet ihm dafür nach
dem Art. 93 die Gesellschaft ohne Weiteres.
v. Hahn will dagegen einem solchen Gesellschafter nur die actio
negotiorum gestorum contraria gestatten. Es ist aber bekannt, wie
streitig diese Lehre nach gemeinem Recht ist, und wie schwer diese Klage
nach der Ansicht vieler Rechtslehrer zu begründen ist. So sagt z. B.
v. Vangerow*): In der Regel wird der dominus nur dann obli-
girt, wenn die Geschäftsführung geschehen ist, um drohenden Schaden
abzuwenden. Hat sich jemand über diese Schranken hinaus in fremde
Angelegenheiten eingemischt, so hängt es von dem Ermessen des
dominus ab, ob er eine solche Geschäftsführung für sich anerkennen
will, und abgesehen davon, kann er von dem negotiorum gestor nur
insoweit in Anspruch genommen werden, als ihm aus der negotiorum
gestio ein reiner pecuniärer Gewinn erwachsen ist. L. 11, 13 h. t.
1. 5 pr. D de in rem verso (15. 3).
In der That ist aber doch der von der Geschäftsführung aus-
geschlossene Gesellschafter kein der Gesellschaft Fremder, sondern bei
der Geschäftsführung wesentlich betheiligt. Wenn er also für dieselbe
einschreitet, und für seine Person Verbindlichkeiten der Gesellschaft
erfüllt oder übernimmt, so erscheint es ganz angemessen, wenn ihm
die Gesellschaft nach Art. 93 dafür ohne Weiteres haftet. Rur haftet
die Gesellschaft nicht weiter, als ihre Verbindlichkeit an sich ging.

*) Lehrbuch der Pandekten, § 664.

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