Full text: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 25 (1872))

602 Entscheidungen des R.-O.-H.-G. in Handels- u. Wechselsachen.
nähme von Kohlen nach Gewicht überhaupt nicht üblich sei, und
daß das Abwiegen mehr Zeit und Geld erfordere, als die Ab-
nahme nach Maaß. Deshalb ferner habe der Implorant für
die Anstalten zum Wägen, insbesondere für eine Waage sorgen
müssen, weil der Schiffer nur die Kosten der Ausladung aus
dem Schiffe, alle übrigen Kosten der Löschung aber der Empfänger
der Ladung zu tragen habe. (Art. 594 H.-G.-B.) Der Zeit-
verlust durch die Verzögerung der zur Ermittelung des Frachtan-
spruchs hiernach nothwendigen Verwiegung sei also vom Implo-
ranten zu vertreten. — Diese ganze Argumentation steht und
fällt mit dem Satze,
daß die „Zeichnung unter Protest" der Gewichtsangabe
im Connossement die entscheidende Bedeutung für die
Frachtberechnung genommen habe.
Dieser Satz verstößt, wie gezeigt, gegen den Art. 658 H.-G.-B.
Also ruht auch die Entscheidung über den Liegetag aus nichtiger
Grunde. In der Sache selbst erweist sich der Anspruch aus Ver-
gütung des Liegetags als unberechtigt. Wie oben gezeigt, bedurfte
es zur Ermittelung der Frachtsorderung des Klägers keiner Ver-
wiegung der Ladung. Die Fracht gebührte ihm nur von dem
im Connossement angegebenen Gewichtsquantum, wenn es ihm
auch gelingen sollte, bei der Löschung ein stärkeres Quantum aus-
zuwiegen und abzuliesern. Der Kläger bestand aber nur zur Er-
zielung einer höheren Frachtforderung aus der Verwiegung, und
zwar obschon überhaupt im Privatverkehr in Danzig — wie zu-
gestanden und wie durch die erstinstanzlich gehörten Zeugen nach-
gewiesen ist — die Abnahme von Kohlenladungen mittelst Wa-
gens ganz ungebräuchlich ist," und obschon der Beklagte die
Integrität der Ladung nicht bemängelte. — Nöthigte aber der
Kläger lediglich zur Behauptung eines unberechtigten An-
spruchs und gegen den bei der Löschung vorzugsweise entschei-
denden Ortsgebrauch.
vergl. Art. 594, 596, 600 rc. H.-G.-B.
den Beklagten zu einem zeitraubenden und kostspieligen Modus
der Abnahme, so hatte nicht der Beklagte, der sich nur aus das
liebliche und Gebräuchliche einzurichten hatte, die besondern Ver-
anstaltungen für die Ausführung jenes Modus zu treffen und

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