Full text: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 25 (1872))

Entscheidungen des R.-O.-H.--G. in Handels- u. Wechselfachen. 601
niß zu bestätigen; nur waren auch die vom ersten Richter offen-
bar aus einem Versehen übergangenen Zinsen des zugestandenen
Frachirückstandes seit der Beendigung der Löschung dem Kläger
zuzusprechen.
In Frage könnte nur noch kommen, ob die Kenntniß des
Empfängers des Connossements bei dessen Erwerb davon, daß die
Zeichnung „unter Protest" sich auf einen 86pg.i-a.tim erhobenen
Protest gegen das angegebene Gewicht der Ladung beziehe, seine
Berufung auf die Gewichtsangabe im Connossement als eine
dolose ausschließe. Diese Frage ist indeß zu verneinen. Zu-
nächst wäre im vorliegenden Falle die exceptio doli nicht genü-
gend substantiirt. Es ist nur versichert, die Ablader hätten bei der
Uebersendung des Connossements dem Beklagten mitgetheilt, daß
der Protest des Klägers lediglich gegen die Gewichtsangabe ge-
richtet sei. Blos aus dieser Mittheilung konnte der Beklagte
weder erkennen, daß außer dem Zusatz bei der Zeichnung ein be-
sonders formulirter Protest erhoben worden, noch entnehmen, ob
der Protest die Gelvichtsangabe im Connossement als zu hoch oder
als zu niedrig anfechte. Und selbst, wenn der Beklagte letzteres
angenommen hätte, so würde er, wenn er im Vertraun auf die
gesetzliche Vorschrift, welche einem so formulirten Zusatz bei der
Connossementszeichnung —- unbeschadet ihrer Wirsamkeit
gegen den Ablader — die Geltung gegen den Empfänger ver-
sagt, das Connossement acquirirt hätte, nicht als in dolo versirend
behandelt werden können. —
Auch die Entscheidung des Appellationsrichters rücksichtlich des
Liegetages beruht wesentlich aus der Bedeutung, welche er der
Zeichnung des Connossements „unter Protest" beilegt. Vermöge
dieser Zeichnung — sagt er — sei das im Connossement angebene
Gewicht der Kohlen für den Jmploraten nicht entscheidend gewesen;
der Implorat habe sich vielmehr dadurch „das Recht auf Verwie-
gung der Ladung bei der Löschung" als ein selbstständiges
und contractliches Vorbehalten, deßhalb komme es auf eine
Usance wonach in Danzig, wenn die Fracht nach eingenommenem
Gewicht zu zahlen sei und der Empfänger das deklarirte Gewicht
als richtig annehme, Verwiegung nicht stattsinde- ebensowenig an,
als auf den Umstand, daß im Danziger Privatverkehr die Ab-

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