Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 4 (1842))

318 lieber die Klagen bei d-Eigenthume u- üb. den Verlust desselben-
denn wieder darauf, daß der Art. 25. der französischen Pro-
zeßordnung, wornach daS possessorium und petitorium nicht
sollen ineinander gespielt werden, keineswegs den Sinn hat,
als dürfe man im possessorischen Prozeß nichts von den
Gründen des petitorii sagen, sondern nur, daß nicht wie
im kanonischen Rechte gegen daS petitum actionis, welches
auf Besitz geht, gleich petitorisch erkannt werdet) Vielmehr
erklärt der oben angeführte Cassationshof auf daS deutlich-
ste und natürlichste Folgendes:
que le juge du possessoire a toujours le droit
et souvent meine ^Obligation de consulter les ti-
tres, non pas poiir reconnaitre l’existence on la non
existence du fait de possession, mais pour appre-
cier la nature et le caractere de cette possession,
dorit >1 est juge.
Unumgänglich nolhwendig ist dieses bei dem Besitze der
Rechte, ja überall bei dem Besitze, weil es gewiß, wie über-
all, unrichtig ist, factum und jus trennen zu wollen.
Bei dem petitorio im Gegensätze des possessorii gibt
eS im französischen Rechte nur eine Klage die revendica-
tion, die zwei bestimmte Rücksichten einschließt:
1. Der Kläger muß entweder die Ersitzung erweisen,
oder doch darauf hinführen, daß der ErsitzungSbeweiS im
Zweifel durch Eid oder Vermuthungen hergestellt werden
kann- ES kömmt nämlich im französischen Rechte nichts von
einem besondern Verhältnisse deS besseren zum schlechteren
Besitzer vor, nur daß der einjährige Besitzer rin guter ist-
Daß der ersitzungsmäßige Besitzer dem nicht ersitzungömäßi-
gen gegenüber besser fey, ist deßhalb nicht angenommen,
weil der erste durch die gewöhnliche Besitzschntzklage sich helfen
kann. Also paßt die publiciana gar nicht in den Geist deS
französischen RechtS, und eS wäre der einzige Fall denkbar,
wo jemand, der die Sache oder das Recht noch kein Jahr
hat, gegen einen schlechteren Besitzer geschützt sein wollte,
und hier ist gewiß anzunehmen, daß die Franzosen die com-
plainte zugelassen haben. Oder sollten sie für einen solchen
Fall die Besitzschutzklage verwerfen, um gerade für ihn ein

<>) Roßhirt Zeitschrift I. Band <g. 234.

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