Volltext: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 4 (1842))

230 Von der Natur des Eigenthums an unbeweglichen Gütern.
fahren werden müssen, zumal die Aufräumung bei dem Nach-
bar ohnedies uud unumgänglich nothwendig werden wird.
V. Nur die Schcidemauer können beide Nachbarn
benützen, und zwar so, daß der Eine bis auf 2 Zoll gegen
den Nachbar Balken einkreibcn darf, der andre aber wenn
er es nölhig hat, die Balken bis auf die Hälfte des Durch-
schnitts der Mauer wieder abstoßen darf. “) Dasselbe darf
er auch thun, wenn er einen Kamin an der Wand hinauf-
gehcn lassen will. Will der Nachbar an der erhöhten Mauer
Tbeil nehmen, und zwar in der angegebenen Art, so kann
er dieses wenn er einmal die Hälfte des Prcißcü der Mauer
und das andermal die Hälfte dessen bezahlt, waS etwa die
Verdickung der Unlermaucr gekostet har. «*)
VI. Eine Scheidemauer ist keineswegs eine res solida,
für beide Theile, denn der andre Tbeil muß vorher über die
Absicht des Neubaucndeii belehrt seyn, und ist lediglich
an seine besonderen oder an die angegebenen gesetzlichen Rechte
gebunden. 6i) — ES ist eine sehr große Frage, ob eS nicht
besser ist, einzelne Localgewohnheiten, wie sie in Deutschland
bestehen, Vorkommen zu lassen, als Alles an eine Regel,
wie hier zu binden. Nach dieser Regel sind aber auch Lo-
calbauordnungen untersagt, denn diese könnten nur
durch ein Gesetz eingeführt werden, weßhalb eS auch sehr ge-
fehlt ist, wenn z. B. im Großherzogthume Baden eine Bau-
ordnung der Sradt Heidelberg besteht, welche im Commu"
nalinreresse gemacht, wenn auch der Regierung vorgclegt ist
— und die gar keine gesetzliche Bedeutung haben kann.
Merkwürdig ist, daß in Städten und Vorstädten (denn
die Vorstädte von Paris wurden schon in sehr früher Zeit
der Stadt gleichgesetzt) Jeder seinen Nachbar anhalten kann,
daß er eine Scheidewand für Häuser und Gärten baue, denn
gerade daS Gegentbeil steht für landwirthschaftliche Verhält-
nisse fest. Eben dieser Punkt könnte es zweifelhaft mache»,
ob die obenangegebenen Sätze der allgemeinen Bauordnung
auch auf die Dörfer gehen, zumal jetzt daS mittelaltcrisch^
Interesse engancinander gebauter Städte mit Mauern nicht
63) Art. 657.
64) Art. 66o.
65) Akt. 662.

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