Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 4 (1842))

Allgemein« Einleitung.

133

gemeines und sächsisches Recht nebeneinander hält: aber un-
bestritten war auch in Frankreich der fo r m e l l e Sieg des röm.
Rechts entschieden, wie man schon aus der gelehrten Behand-
lung dcrContumes sicht, z. B- von Charonda« über die von
Paris, von ko t hier über die von Orleans. MolinäuS allein
war nicht genug von der rationellen Vollkommenheit der einen
Seite des römischen RechtS erfüllt / als daß er eS an.
derS hätte behandeln können, wie eine subsidiäre Quelle;
aber auch seine Arbeit war höchst löblich, denn auf ihm
ruhte in der Thar Pothier in den Obligationen, Servi-
tuten u. s. w.
Die Franzosen blieben auch darin praktisch, daß sie die
einzelnen Lehren dcS CivilrechtS nach und nach abhandelten,
und durch einzelne Decrete darstelltcn, gerade dadurch dem
Neueren seine Stellung 4) und dem Ackeren seine anschließ,
ende Bedeutung gaben: aber nie haben sie sorgsam überlegt,
was mit dem römischen Rechte von nun an anzufangen sei.
Keine Zeit hat in der Interpretation deS römischen RechtS
genug unterschieden waS bloS zu der Ausbildung und zum
Verständniß der Digesten diene, für uns aber unpraktisch
ist, und worüber man jetzt — unbewußt um daS Resultat —
ganze Bücher schreibt z. B. über Condictione», striet, juris
Aktionen, Capitis Deminutio u. s. w. — und waS am römi.
schen Rechte allgemeinen Begriffen, ihrer Interpretation und
Fortentwickelung entspricht und waS zu allen Zeiten daS
Gemeingut aller Juristen sein wird, und auch in daS ge-
meine deutsche und französische Recht übergegangen ist.
In einer Zeit der Philosophie, wie sie PortaliS nennt,
denkt man immer an seine Vernunft: die Vernunft war die
Göttin der Franzosen, und das römische Recht ia raison
verite. Sollte dieses soviel sagen, vom römischen Rechte gilt
nicht daS alte jus civile, sondern die allgemeine Wellrich-
tung, dasjenige, was auf uns anwendbar ist, so war der
Gedanke gut: sollte cS aber soviel heißen, nur wenn daS römi«
sche Recht an unsrer Vernunft geprüft und anerkannt wird,
zweckmäßig befunden wird, ex arbitrio singulorum, wo eS
zum Theile alle Objektivität verliert; so ist der Gedanke schlecht.

4) Z. B. dem Familienrechte.

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer