Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 4 (1842))

92 Das Rechtsverhältnis der Weiber unter Cicero u. f. w.
Unzweifelhaft folgt aus dieser Stelle, welche Boethius
auS den verloren gegangenen Institutionen des Ulpianus
nahm, daß
a) daS venire in manum in der Art, daß die Frau
den Familicnrechten des Mannes unterworfen wurde, nur
bei der coemtio vorkam, keineswegs aber usu, obgleich
auch dadurch ein matrimonium legitimum ein-
gegangen ist im Gegensätze deS non legitimum, welches
da war, wenn die Frau in einem trinoctium jedes Jahr
ihre Unabhängigkeit und Freiheit vom Civilrechte des Man-
nes erklärte. Eine solche Ehe wird man im besten Falle
statt „laxer Ehe" matrimonium non legitimum nennen
oder juris gentium.
b) Die uxor, bei welcher der usus stattsand, war
schon deshalb nicht materfamilias, weil nicht die gegenfri.
tige Erklärung vorkam, die in einem solchen Falle zwischen
Mann und Frau eben gegenseitig (invicem) nöthig war.
Die Frau erwarb die Suilät aber keine Rechte, wie unten
der Erfolg beweisen wird-
c) Daß daS matrimonium farreo ursprünglich den Pa-
triciern zustand, wo wir aber nicht wissen, welche Rechte
ste (außer den patrimis und matrimis) gab — jedenfalls
aber waren die Privatrechte aus der coemtio nicht so be-
gründet wie bei dieser streng civilrechtlichen Form, die dem
Weibe gleiche Rechte neben dem Manne wenigstens insoweit
gab, daß daS Weib als Paciscent angesehen wurde ')-
6) Daß also eine Reihe von Erfolgen auS der eoemtio
und aus dem Rechte der materfamilias hervortraten.
Vorerst wollen wir darstellen, was in dieser Lchre et-
was weniger sicher ist, und sodann das, waS in dieser
Lehre durch Boethius neu erscheint.
I DaS convenire in manum mariti ist bei dem ma-
trimonio legitimo gewiß, d. h. die Frau kömmt in die Fa-
milie des ManneS - die dos wird Familicngut, die Frau
wird filia des Mannes, ein Testament kann sie als filia
nicht machen. Hört die Ehe ans, so treten die Tutelrcchte
ein, und wenn der Mann ihr nicht die tutoris optio gibt,

7) Keineswegs war dies die Ansicht bei der t'arreatio.

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