Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 2 (1837))

Ein paar Bemerkungen zur Lehre vom Pfandrecht. 399
anzusehen. Ein Pfand aber hat diese Bedeutung nie, son-
dern begründet nur das jus possidendi et distrahendi.a)
Gleichwohl ist ausnahmsweise in einer Verpfändung eine
eventuelle Solution zu erkennen, und der Verfasser dieser
Abhandlung ist durch einen interessanten Rechtfall darauf
geführt worden.
Wenn nämlich baares Geld oder wenn, was gleich gilt,
Obligationen an portenr mit der Bestimmung eingelegt wer-
den, daß der Gläubiger, sofern zur bestimmten Zeit die Zahlung
nicht erfolgt, sich mit jenen Einlagen bezahlt machen dürfe,
so ist mehr eine eventuelle Zahlung alS eine wahre Ver-
pfändung vorhanden. So wurde eine Frau Intercedenti»,
und machte sofort dem Gläubiger dergleichen Einlagen:
stnd dieselben als Pfand anzusehen? Kann namentlich der
Gläubiger angehalten werden, sie herauszugeben, weil die
Hauptobligatio ungültig ist? Kann er nicht vielmehr sich
berufen, daß die Sache ebenso-zu behandeln sey, wie wenn
die inrercedirende Frau wissentlich gezahlt hätte?
So bestritten es nämlich seyn mag, ob die intercedirende
Frau die gegebene Pfandsachen vindiciren und condiciren
kann, oder nicht, wenn dieselbe wohlbekannt mit
Sach-und Rechtsverhältnissen nach übernommener
Interccssion das Pfandrecht bestellt hat:') so ist doch gewiß,

2) Gar oft hat man die Fragen: ob die Verpfändung eine
eventuelle Zahlung sey, und ob sie eine eventuelle Ver-
äußerung sey, vermischt; denn daß die Verpfändung nicht
nur eine eventuelle, sondern eine mit dem Acte der Ver-
pfändung selbst vorgehende Veräußerung sey, ist nicht zu
bezweifeln. Doch ist unter Veräußerung nicht die Eigen-
tbumSübertragung zu verstehen, sondern die Einräumung
eines' dinglichen Rechts, und deshalb heißt auch die Ger-
vitutenbestellung eine Veräußerung: bloS wegen des Älliß«
Verständnisses im Begriffe Eigenthumsveräußerung
hat man den Ausdruck „eventuell" gebraucht. Nur die
Verpfändung des nomen ist eine eventuelle Cesston.
3) Wenn man nämlich auch das Argument verwerfen muß,
daß die Verpfändung eine eventuelle Zahlung sey, so
fragt stch noch, ob das postfactum der wissentlichen Ver-
pfändung nicht nach der Analogie der wissentlichen
Zahlung zu beurtheilen ist?

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