Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 6 (1848))

23. Mittelalterisches Recht

Beilage ii.
Mittel« lterifches Recht.

§. 1.
Einleitung.
Mittelalter war nicht eigentlich ein vermittelndes, son-
dern daS Fundament der neuen Welt. Das Römerchum war
untergegangen; und was sich von chm erhalten, war feine
Wissenschaft: die Germanen aber bildeten eine neue Weltge-
schichte. Sie fingen dieselbe in einem neuen religiös-politischen
Genius an, und so geschah es, daß die ersten Spuren des
neuen Rechts in eine ungeheure Manichfaltigkeit der Bestre-
bungen und Lokalitäten auseinandcrfielen, und immer noch
nicht übersehen werden. Die einzige Hauptsammlung lag im
canonischen Rechte, und dieses Recht war natürlich auch da-
rauf bedacht, die Wissenschaft der Römer zu achten. Durch
diese Beachtung geschah es gar oft, daß man das neuere Le-
ben mißverstand, und auf das alte römische Leben zurückkam.
Denke man nur an das Verhältniß der Litis Contestatio»;
im Mittelalter und in der neuesten Zeit meinte man iinmer
sic sep die alte Erklärung vor dem Prätor, wo man die Zeu-
gen aufrief, und den ganzen status causae et controversiae
ordnete. Man vergleiche z. B. setzt noch dall’ Olio elementi
delle leggi civili Romane tom. IV., wo diese verkehrte alte
Richtung immer noch vorkömmt. Deutsche Juristen glauben
noch setzt: sie komme auch im canonischen Rechte, wenn auch
nicht in der Form doch im römischen Geiste vor; während das
neue Leben längst einen neuen Begriff geschaffen hatte.
Will man hiernach das Mittelalter wirklich erfassen, so
genügt es nicht, eine Dogmengeschichte nach der Zusammen-
stellung von ein Paar Auetoren der bekannten drei Perioden

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