Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 6 (1848))

17. Ueber die 1. 22. §. 1. Cod 6, 30.

Ueber die 1. SS. K. 1 Cod. 6. 30.
Von C. F. Roßhirt.

nullo nec inventario faciendo nec alio circuitu expec-
tando sit alienus ab hujusmodi hereditate, sive one-
rosa sive lucrosa sit,
was will dieses heißen?
Aer Kaiser hatte früher das Delibcrationsrecht gegeben und
will fetzt das Jnventarienrecht geben. Früher hatte der Prä-
tor oft durch die b. pio geholfen, selbst wenn der Testator
eine bedingte Einsetzung vorgenommen hatte und die Bedin-
gung noch nicht gekommen war, wohl auch, wenn der Erbe be-
dingt agnosciren wollte, soferne dadurch kein Anderer
Schaden litt: denn dieses ist der Geist der prätorischen Billig-
keit. Diese prätorische Praxis wurde später Praxis der Constitu-
tionen, denn dieses ist der Fortentwickelungsgang des Rechts. Die
Erbschaftsantretung sub deliberatione oder sub inventario ist
eine bedingte, und diejenigen, welche das Gegentheil lehren,
hängen am alten römischen Civilrechte, und wollen immer dem
alten Civilrechte nach ihrer juristischen Logik oder elegantia die
Regel zuschreiben, und dem prätorischen Rechte sowie der Fortbil-
dung die Ausnahme. Allein man muß nicht übersehen, daß der
Prätor wohl oft exceptiones und restitutiones gegeben hat,
oft aber auch das Recht sortbildete, d..h. auf Gegenstände an-
wendete, an welche das Civilrecht gar nicht dachte, wie z. B.
bei der praescriptio. In solchen Beziehungen hat das präto-
rische Recht das alte Civilrecht verdrängt, wenigstens gingen dar-
auf die Constitutionen, und diesen Sinn und Geist in der Ge-
schichte des römischen Rechts darf der Interpret nicht verlieren.
Was hilft römische Rechtsgeschichte, wenn sie entweder am
Buchstaben hängt, d. h. das Jnein andergreifen bestimmter und
Roßhirt, Zeitschrift. Bd. VI. Heft 2. IG

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