Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 6 (1848))

132 lieber das französische, rheuusche und badische Civilrechl,
l. nach §. 2. vor Allem ein gründliches Studium des rö-
mischen Rechtes zu machen, und diePandecten ein paarmal
vorzutragen, weil dieses der einzige Weg ist, gründlich
oas römische Recht zu erlernen. Man kennt deutsche Rechts-
lehrer des französischen Rechts, die alle Augenblicke im römi-
schen Rechte verlegen sind, welches sie begleiten muß aus jedem
Schritte ihrer Bestrebung. — Warum gibt es im französischen
Riecht keine Prälegate? Wie verhalten sich die französischen
nachbarlichen Rechte zu den römischen Servituten? Was gehört
im französischen Rechte bei den nachbarlichen Rechten zum jus
commune, was zum jus singulare, und was hängt davon
ab? Welche geschichtliche Perioden hat die Lehre von der Ces-
sion? u. s. w. Das römische Recht als tertium comparatio-
nis darf nie fehlen. In jeder Zeit menschlicher Bildung wird
man den Civilisten nach seiner Virtuosität im römischen Rechte
messen; denn nur diese macht es möglich, daß ein unnützes
easuistischeö Bestreben bei ihm untergeht, und jene materielle
Logik als spiritus rector entsteht. Eben dadurch zeichnet sich
der deutsche Rechtsgelehrte vor dem französischen in unfern Ta-
gen aus: die Franzosen gefallen sich in ihren arrets und casus ,
und in weitläuftigen Deduetionen darüber; die Deutschen aber
construiren vielleicht oft nicht gut, oft aber sehr fein, und
selbst die Franzosen haben dieses gefühlt in dem Werke unseres
Zachariä. Daher konnte derselbe4 Bänden mehr sagen,
wie Dur an ton in 20. Gerade dadurch ist es aber auch ge-
schehen, daß der französischen Controversen eine solche Unzahl
geworden ist, daß unserer bessere civilistische Geist fertig wird,
wenn er das jus decimandi über diese Controversen ausübt:
Man kann fast sagen, nur der römische vollendete Civilist fühlt
diesen Schwerpunkt der Jurisprudenz: der deutsche Germanist
steht schon dem Franzosen näher, vereinzelt und dismembrirt
Alles, so daß die ächte Scholastik untergeht. Aus dem voU
lendeten civilistischen Studium, welches man aber nur ge-
winnen kann durch die besondere Lehrerübung als Pandectist,
entspringen sofort zwei Folgen:
a) daß man weis, wie man eine vollkommene Theorie zu
bilden, und diese auch durch Vergleichungen mit
dem römischen Recht anschaulich zu machen hat^):
t) Bei der gegenwärtigen Art, wo man in Deutschland die Pandec

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