Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 6 (1848))

über bcffcn Studium »ub Vortrag.

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vvrneherein kannte, wodurch er dasjenige finden sollte, was dem
Franzosen schon die Nationalität gab. Der Deutsche hielt sich an
den Code Napoleon und untersuchte mehr nicht, selbst Zäch ariä
und Thibaut, als das aus der Revolution unmittelbar her-
vvrgegangene intermediäre Recht und die Bestrebungen der neuen
Gesetzgeber gerade so, wie wenn die französische Welt von
Neuem erschaffen worden wäre: dagegen war dem Franzosen
die alte Historie eingeimpft, und es kostete dem Deutschen
Mühe, nur zu erkennen, daß die Franzosen auch ihre Rechts-
historie hatten, wahrend sie hätten erkennen sollen, daß sie eine
in jeder Hinsicht bessere und mehr vorbereitende Rechtshistorie
hatten wie die Deutschen!
Wie einheitlich tvar ihr Verfaffungs- und Rechtssystem;
ihre Verwaltung, ihre Parlamentsbedeutung! Wie waren nach
den Provinzen die Gewohnheiten geordnet und gesammelt; wie
daraufhin ein allgemeines Gewohnheitsrecht entstanden und mit
den Begriffen der damaligen Wissenschaft vereinigt: wie be-
stimmt hatten sich die drei großen Rechtsgelehren Coquille,
Loysel und Lauri er e ausgesprochen? Wie war man darauf
bedacht, die Ordonanzen zu erkennen und zusammenzustellen,
namentlich der dritten Ratze der Könige im Gegensätze der
früheren? Wie waren alle französischen Rechtsgelehrten selbst
bis herab auf Toullier von dieser großen Bedeutung der
Vorzeit ergriffen? Alle sahen ein, der Code sey kein Institut
der Revolution, sondern der Geschichte, und wenn auch manche
Franzosen in dieser oder jener Controverse den historischen Fa-
den nicht fanden, wenn die meisten Gelehrten, wie man es
fetzt noch in Frankreich thut, im verdorbenen Systeme des Mit-
telalters sich auf eine unpassende Stelle des römischen Rechts
bezogen, so war doch die Tradition bei ihnen niemals ver-
gessen.
In Deutschland aber glaubten Viele sogar: die Franzosen
hätten keine Rechtsgeschichte gehabt, weil sie keine Werke hat-
ten, die nach dem historischen Geschmacke der Deutschen, z. B.
Eichhorn's, bearbeitet waren.
§. 4.
Wollte sich ein junger Deutscher zum Vortrage des sran
'bsischen RecbtS vorberciten, so müßte man ihm rathen:
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