Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 3 (1839))

20. Ein Wort über die Philosophie des Rechts

Ein Wort über die Philosophie des Rechts.
Von N o si l- i r t.

(§eit' den Griechen hat man zwei Wege der allgemeinen
Betrachtung. Entweder aus einem angenommenen Principe
deS Wissens und Lebens beurrheilt man das Einzelne: oder
über die Vergangenheit und Gegenwart stellt sich ein prophe-
tisch kritischer Blick.l) Man hätte Unrecht- den einen oder
andern Weg zu verachten; vielmehr die Bedeutung beider zu
kennen und in der Richtung auf Geschichte und Anwendung
deS Rechts in Beurtheilung zu nehmen, ist Bedürfnis?.
Gewöhnlich stellt sich das Princip deS Wissens in der
Philosophie und des Lebens in der Poesie dar, und so hat
man mit Recht die Literatur der Zeiten und Völker nach
diesem doppelten Standpunkte gemessen: allein die Philoso-
phie und Poesie sollten speciell nachgewiesen werden in al-
lem Einzelnen deS menschlichen Denkens und Handelns, na-
mentlich in Sprache und Religion, Sitte und Recht, Natur-
ansicht und Kunstgeschmack.
Sitte und Recht der Völker — sie umfassen die Gesetze,
unter welchen der Mensch in Gesellschaft besteht, durch wel-
che die Glieder eines Volkes in die organische Bewegung
eines Körpers zusammengehalten werden. Roth und Nutzen,
Gewalt und Herkommen, Weisheit tinb Aberwitz sind die
Quellen dieser Gesetze, und die Wissenschaft kömmt fast im-
mer hinterdrein. Die Griechen wollten sie voraus gehen
lassen, und dachten sich die Weisesten als Gesetzgeber, aber
was der Weise nicht auf dem Wege der Volkserziehung er-

») Das erste könnte man die Philosophie » priori, das andre
a posteriori nennen.

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer