Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 3 (1839))

200 Vom Vertragssysteme bei den Römern.
der Förmvertrag (.stipulatio J und der Narurrechtövertrag;
der crftre in unwiederruflichcr Festigkeit, wie jcdeö Formge-
schüft — der andere in eonerct freier Beurthcilung des In.
tcresses dcS Klägers. Diesem ist frcigclassen, sein Interesse
durch Erfüllung des Vertrags oder durch Abgehen davon gel-
tend zu machen, und in der Thal ist dieses der natürlichste
Ginndfatz, welchcn'mau haben kann. Das jus poenitendi ist also/
vorausgesetzt/ daß dessen Ausübung physisch möglich ist, wie bei
allen BilliqkeitSinstituten, z. B. der Restitution angenommen
wird/ einVerbältniß, welches sich bei dem naturrcchtlichcn Ver-
trag von selbst versteht/ während eS bei der verborum obligatio
verbis ipsis festgesetzt werden muß. Da nun die römischen Con-
scnsual-Contracte in den Klagformulcn der stipulatio nachgcbil-
derwaren/ emti, venditi, locati, conducti und man dabei sein
Interesse wie bei der stipulatio durch die exceptio doli, hier
durch die exceptio aus demselben Geschäfte/ verfechten konnte/
so mußte freilich/ wenn hieraus ein Prozeß stattfand/ auf die
Verabredung derDisplieenz wie einer andern Bedingung spe-
eielle Beziehung erfolgen: mehr aber bedeutet auch hier der
Gedanke der Displieenz alS pactum adjectum nicht/ denn
eS versteht sich / wenn nur daö factum nicht geläugnet wird,
dann Alles von selbst. Freilich wird bei dem Consensual-Con-
traete eben weil der consensus perfect macht, der dissensus
pur wieder durch speciellen consensus bedeutend, während
bei hem naturrechtlichen Vertrag im Allgemeinen die Auflösung
stillschweigend darin liegt, daß der eine Theil die Nichterfüllung
deö Andern zum dissensus mit der Folge der solutio con-
tractus erheben will. Damit hängt denn auch die bishieher
immerhin unverständliche Lehre vom pactum adjectura zu-
sammen, Schon oben ist ausgeführt worden, daß ein pactum
adjectum nur Vorkommen kann, wo das Hauptgeschäft ein
Benanntes ist, d. h. eine abstracte Natur hat. Hier muß das-
jenige, waS nicht in den Begriff des bestimmten Vertrags,
d. h. in die Abstraktion der Jurisprudenz gebracht ist, durch
die klar auSgedrückte Intention der Partheien festgesetzt wer
den, und zwar in momento contractus ipso. Nur auf be-
nannte Contracte können sich also die adjecta beziehen, was
implicite auch in unsrer I. 8. D. 19. 5. liegt. Da aber wo
der Vertrag nur als concrete Erscheinung zu betrachten, d. h

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