Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 5 (1844))

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Dom Duell.

sinnung und der Nechtsgesinnung. Demohngeachtet ist es nicht
das ganze Volk, welches dem Rechte entgegensteht, sondern es
sind nur einzelne Stände, die gewisse Rechtsprivilegien verlan-
gen. Dieselben Stände aber.müssen anerkennen, daß Niemand
über sein eigenes Leben disponiren, und dieses in den Vertrag
einwerfcn kann, daß sedc Tödtung eines Andern, wenn nicht
reelle Nvthwehr — also Nothwehr ohne vorausgegangenen Ver-
trag drängt, unrecht ist, daß das Privilegium selbst zur socia-
len Staatsordnung nicht paßt. Also ist der Streit hier nur
zwischen einem gefährlichen privilegio und dem allgemeinen
Rechte. Da kann es denn kommen, wie bei 6 ba uv esu
steht pag. 301:
De Ia une deplorable culte entre la magistrature
et le jury; entre l’autorite judiciaire et les moeurs
et la raison publique.
Dem Privilegium kömmt nur immer das noch zu Guten,
daß glänzender männlicher Much den Menschen "mehr interessirt,
wie das Recht, und daß, wie schon oben ausgeführt ist, über
viele Dinge ein gerichtliches Urtheil kaum zu suchen ist, oder
Werth hat.
Der letztre Umstand ist cs daher, welcher uns obm be-
stimmt hat, die Handlung weder als Mord, noch als Verwun-
dung, noch alS Selbsthilfe zu beurtheilen, sondern als ein eige-
nes Verbrechm anzusehen, wo die wirkliche Schuld durch die
Beurtheilung von Sachverständigen erst in das Concrete zu
stellen ist. So wird cs dann möglich, Recht und Sitte in Ein-
klang zu bringen. In dieser Beziehung sagen denn auch die
Franzosen mit Recht: le duel est un fait special, un delit
sui generi|s, qui ne peut etre reprime, que par une
Jegislation particuliere.
Dies will aber nur heißen: der Gesetzgeber muß das Duell
für sich auffassen, wo er es nicht aufgefgßt hat, da kömmt
freilich Alles darauf an, ob er es durch ein Gesetz als Tödtung
oder Selbsthilfe unterdrückt hat, oder ob er sich gar nicht dar-
über erklärt hat. In der letzten Beziehung haben auch die Fran-
zosen erkannt, namentlich der Cassationshof seit dem Jahre 1837.
— daß der theoretische Satz: nulla poena sine lege poe-
nali, nicht wahr, und daß die Jurisprudenz hier eben die-
selbe Wirksamkeit habe, wie im Civilrechte.

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