Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 5 (1844))

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Dom Duell.

ken, einen Code für das Duellwesen aufzustellen, wie ihn Hr.
v. Cti»t«uvill»rd mit Bestimmung vieler angesehener Män-
ner vorschlägt, und die Sache dann so zu erklären, daß derse-
nige, welcher sich den Gesetzen dieses Code unterwirft, straflos
sep, jeder andere aber bestraft werden müsse. —
§. 6.
In unfern Tagen ist kein Beruf und keine geeignete Stim-
mung der betheiligten Stände da, durch ein Gesetz das Duell
abzuschaffen: denn
1) eine formelle Kraft liegt nirgends mehr im Gesetze.
Ein gegen die Ansichten der Menschen gegebenes Gesetz erman-
gelt aller Vollziehung,
2) patriotische Gesinnung und Energie allgemeiner Denk-
art gibt es nicht genug: an allen Orten, in Amerika und in
Europa sind die Bande lockerer geworden, welche die Staatsauc-
torität erhalten. Die gemeine Meinung ist es, der sich die
Gesetzgeber und die Beamten unterwerfen sollen ,0),
3) dennoch aber muß der Staat schon aus dem Stand-
punkte seines Fortschritts und seiner Stellung einsehen, daß er
auf die Strafbarkeit des Duells nicht verzichten kann,
4) am wichtigsten ist es sowohl für die eigne Erhaltung
des Staats als für das Wohl der Einzelnen, daß die Kirche
auch hierin in ihrer selbstständigen und heiligen Bedeutung er-
halten werde. 'Daher ist es ein großer Mißgriff der Staats-
behörden, wenn sie von den Geistlichen eine Nichtanerkennung
ihres Rechts verlangen, und an dessen Stelle Willkühr und
Eonvenirung einführen wollen. Lasset der Kirche ihr Recht,
denn Alle sind ihm von selbst unterworfen, welche Angehörige
der Kirche seyn wollen. Die geistliche Strafe der Kirche kann
daher ihr nicht genommen werden,
5) in weltlicher Hinsicht führe man zwei Erleichterungen
zu Gunsten der Duellanten ein i
1) daß von einem Ehrengerichte über die Schuld oder Un-
schuld des in Untersuchung gekommenen Duellanten sowohl hin-
sichtlich der Veranlassung, als der Ausführung des Duells ge-

10) Die gemeine Meinung aber ist immer willkührlich, sey sie
aristokratisch oder demagogisch.

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