Full text: Hof und Staat (Bd. 2 (1809))

europäische Rechtsgeschic 
52 — 
Beylage XVII. 
Bayreuth den 16ten Febr. 1793. 
An 
Herrn Geheimen Legationsrat h | 
Gervinus in Ansbach. 
Ich halte es für Pflicht, theuerster Freund! Ihnen 
zu sagen, daß ich hier sehr ruhig, resignirt und still lebe. 
Sie sind tief in mein Schicksal verflochten, Jhren Anden= 
ken darf ich nicht entgehen. Sie können aber auch gewiß 
einem Manne Ihre Freundschaft nicht entziehen, der nach 
Jhrer eigenen Ueberzeugung, ohne daß Sie noch alles wuß= 
ten, unschuldig gemißhandelt wurde. Ich weiß aber 
jetzt alles, das Glück hat mir gewollt, hinter die Collissen 
des Schauspiels gehen zu dürfen, was man mit mir spielte. 
Gottlob, daß es ausgespielt ist. Der Eindruck aber, den 
es auf die Zuschauer gemacht hat, kann und wird den 
Spielern nicht gut bekommen. Ich bin jetzt nicht mehr 
Gegenstand des Neids — aber alle Männer von gesunden 
Kopf und reinen Herzen im Jn= und Auslande, die mich 
dem Namen und der Person nach kennen, bemitleiden mich. 
Ich habe über meine neue veränderte Lage und die Ursachen 
derselben eine sehr weitläuftige Correspondenz führen müs 
sen, um die Menschen nur zu überzeugen, daß ich nicht 
durch einen Fehler mein Schicksal erhalten habe. Man 
fordert mich aber auf, und das mit Recht, daß ich mich 
öffentlich äussern soll. Ich habe dieser Aufforderung nach= 
gegeben, und bald sende ich Ihnen die Geschichte meiner 
Dienstjahre in einer kleinen Schrift. Man hat 
mich öffentlich gemißhandelt, verläumdet, meine Selbster¬ 
haltung gebiethet mir, daß ich mich vertheidige. Der Kö¬ 
nig und das Publikum mögen es dann lesen, was ich war, 
und
	        
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