Full text: Hof und Staat (Bd. 2 (1809))

opäi 
Vorrede. 
hern Richtung. Wir wissen, daß die beyden Pole der 
menschlichen Erkenntniß Poesie und Weisheit heißen, 
Welt=Ansicht im Gefühle und Welt=Ansicht im Wis= 
sen. Wir haben die Ueberzeugung, daß gleich den Po= 
len der Erde jeder Pol der menschlichen Erkenntni seine 
Vollendung erhalten muß. Wir haben erspäht, da es 
zwischen dem Morgen der menschlichen Erkenntniß, Poe= 
sie, und dem Abende derselben, Weisheit, nur zwey 
Wissenschaften geben kann: Weltgeschichte und Mathe= 
matik; daß jene die Darstellung der Entwicklung der 
geistigen und physischen Natur zu ihrem Geschäfte 
gemacht hat, und eben darum Menschen= und Naturge¬ 
schichte heißt, und daß diese für beyde blos das Tempo 
der Entwicklung angiebt. Wir wissen, daß die Technik 
in der Menschengeschichte mit der Technik der Naturge= 
schichte am Ende in Eins zusammenfallen muß. Wir 
wissen endlich, daß Menschengeschichte und Naturgeschichte 
der lebendige Begriff der Parallele sey. So kann es 
nicht anders kommen, als daß uns alles, was wir von 
diesem höhern Standpunkte des jungen Zeitalters auf 
dem zuruͤckgelegten Wege erblicken, eine andere Rich¬ 
tung genommen zu haben scheint, und daß, nachdem wir 
nun auch die Kehrseite der Dinge ansehen, die Dinge 
uns selbst anders vorkommen als sonst. 
Das junge Zeitalter wird den Dingen, welche es 
in dem großen Magazine der Vergangenheit gefunden 
hat, allen einen andern Platz anweisen, und die Sprache, 
welche der Condukteur auf der großen Station zwischen 
Poesie und Weisheit ist, wird die Dinge auch anders 
nennen. 
Theo=
	        
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