Full text: Hof und Staat (Bd. 2 (1809))

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noch mit dem letzten Athemzuge eine Ahndung von dem 
Sinne der Orakel in die Seele, und dann stirbt er. 
Heinrich. Nach deiner Ansicht möchte Oedipus 
das Jdeal der tragischen Sujets seyn. 
Gotthold. Die Familien des Kadmus und des 
Pelops? ja. 
Heinrich. Doch wie begreifst du die neuere Tra¬ 
gödie? Du mußt hier das Individuum für sich hinstel¬ 
len? nicht? 
Gotthold. Wahr, und mit einer That. Persön¬ 
lich, frey, sich schauend tritt hier der Held auf, und 
wälzt ein Werk, das er für seine Zeit zu früh gebohren 
hat. Er hat die Ewigkeit verstanden, und die Zeit ver= 
achtet er. Drum reißt die Ewigkeit den Faden seines Le¬ 
bens ab, und nimmt ihn zu sich. 
Eduard. Aber Hamlet? 
Gotthold. Seyn oder Nichtseyn? ist dies eine 
Frage? 
Eduard. Er fragt sie. 
Gotthold. Jn Worten. Er beschließt die That. 
Der Geist ist ihm erschienen. Er tritt in Dienst des 
Schicksals. Wer aber in des Schicksals Dienste treten 
will, der legt die Willkühr nieder. Die Willkühr aber 
wohnt in diesem Leibe. 
Eduard. Die Schuld ists, was er büßt. Sie 
ist der Uebel größtes. 
Gott= 
opä
	        
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