Full text: Hof und Staat (Bd. 2 (1809))

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VI. 
Heinrich. Das Wort, womit du gestern schlossest, 
die Freyheit des Weibes sey in ihrer Liebe, ist mir noch 
dunkel. Möchtest du dich nicht näher über diesen Gegen¬ 
stand erklären? Die Schwätzer unserer Zeit haben ihn bis 
zum Eckel beschwatzt, seitdem Schiller seine Würde der 
Frauen sang. 
Eduard. Wenn ich nicht irre, so hat gerade 
Schiller den Gegensatz von Nothwendigkeit und Frey¬ 
heit zuerst als Gegensatz von Weib und Mann betrachtet. 
Er hat ihn auch in mannigfachen Bildern schön gespielt. 
Heinrich. Und in dem Zwielichte zwischen Wissen¬ 
schaft und Kunst gehalten, in welchem Schiller selbst 
überall verweilt. Doch schillert er mit starken und leben¬ 
digen Farben, indeß die armen Sünder, deren geistiger 
Ernährer er war, kaum einen schwachen Wiederschein von 
seinem Farbenlichte geben. 
Eduard. Er war ohne Zweifel eine tiefe herrliche 
Natur, empfänglich des Höchsten, was die Zeit bieten 
konnte, und es ahndend, wenn es für andere noch un¬ 
mtwickelt und unsichtbar im Keime schlief. Aber zum 
Frieden ist es nicht in ihm gekommen, und die Bitterkeit, 
die sich in seinen Idealen und seiner Resignation ausspricht, 
war Erbtheil seines Lebens, und kam nie zur Versöhnung. 
Er war nichts rein, weder Poet noch Weiser, und die 
Antithese, welche in seinem ganzen Liede an die Freude 
herrscht, war Bild seines Geistes. 
Heinrich. Er scheint mir den Humoristen ähnlich, 
die im Witze sich zwischen Poesie und Wissenschaft her¬ 
um¬ 
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