Full text: Hof und Staat (Bd. 2 (1809))

2.9 
Eduard. Du ehrst einseitig das Erhabene. Der 
brieche würde dich mit Rechte daruͤber tadeln; seine Kalo¬ 
kagathie ist ganz anderer Natur. 
Heinrich. Ich kenne sie. Sie ist kalte Aussenform, 
n welcher, wie in ihren Statuen, des Lebens Wärme ganz 
uloschen ist. Was die Griechen von Erhabenheit und 
Wärme haben, kommt aus dem Orient, und ihnen ist 
ausser ihrer starren Plastik nichts eigen, als die spitzfindige 
Dalektik der Eleatiker und der herrliche Kanon: ex ni¬ 
ulo nihil: womit ihre ersten Philosophen ihre Philosophie 
mfangen. 
Eduard. Du schiltst die Griechen sehr ungriechisch. 
Jene Idee von dem Ebenbilde der Gottheit, die den Inder 
sich zurückzieht, und den Parsen zum Kampfe mit sich 
ber waffnet, hat sich bey den Griechen in den äussern 
Einn geworfen, und ist darum allerdings in seinem sub¬ 
iktiven Schauen untergegangen; der Grieche hat kein sub¬ 
iktives Schauen, als die Reflexion, die du an seinen Phi¬ 
bsophen richtig bezeichnetest. Dagegen aber steht ihm die 
em Gemüthe untergegangene Idee als Gestalt wieder auf¬ 
und das Gesetz des Gemuͤthes verwandelt sich ihm in einen 
kanon des äussern Sinnes — die Grazie. 
Heinrich. Sprich es immer ganz aus; der Grieche 
site kein Gemüth, und so wird seine Kalokagathie zur 
Grimasse. 
Eduard. Dich übereilt schon wieder der Affekt, 
ud just das kalte Ebenmaaß des Griechen bedürftest du. 
sch will dir einräumen, daß er kein Gemüth hatte, aber 
darum war seine Kalokagathie doch nicht Grimasse. Sie 
wr Gemüth ganz in den äussern Sinn versenkt, und in 
fern nicht Gemüth, und doch Gemüth. Du kennst 
zweyten Bandes 3tes u. 4tes Heft. 
das 
ropä
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer