Full text: Hof und Staat (Bd. 2 (1809))

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Heinrich. Du siehst aber doch, daß es dem Sa¬ 
niassi um die Flucht aus dem Jrdischen und die Tödtung 
des Leibes zu thun ist. Was bleibt ihm in seiner Selbst¬ 
beschauung noch übrig, als die vollkommenste Leerheit sub¬ 
jektiven Bewußtseyns. 
Eduard. Und die erhabene Theodicee von dem Ab¬ 
falle der Geister, nach welcher das sinnliche Daseyn zur 
Verdammniß wird. 
Philipp. Wie magst du mit deiner in sich klaren 
und selbstständigen Seele der Lobredner einer solchen Ein= 
seitigkeit werden. Wenn Plato in der ideellen Gährung 
seines Wesens, durch deren stürmischen Prozeß seine Schrif¬ 
ten so hinreissend und interessant werden, nebst andern 
Ansichten des Orients auch diese indische Idee hoch er¬ 
hebt, so weiß der Leser, daß in Plato nicht Entscheidung 
und Gestalt, nur Werden und Entwickeln orientalischer und 
ocidentalischer Keime zu suchen ist; und der Leser wägt 
dann selbst in seiner Seele das Gelesene ab. Darum mag 
auch Plato's Ruhm jener Idee kein Gewicht geben, das 
sie nicht in sich hätte. 
Eduard. Ich nannte Plato nicht; ich redete nur 
von der Sache. Ich habe auch nicht gesagt, daß indi¬ 
sche Individualität allseitig und vollendet sey, vielmehr 
vollte ich sie gerade in ihrer einseitigen Bestimmtheit streng 
bezeichnen, und darum redete ich von diesen Ansichten. 
Sie stellen eine große Seite der Menschenseele dar, und 
verdienen unsere Erwägung. 
Heinrich. Ich will dir folgen. 
Eduard. Es scheint, daß das indische Gemüth in 
seiner tiefen Subjektivität die Freyheit negativ begrif, als 
Rettung von dem Zwange, und daß ihm alles Zwang 
schien, 
aisen
	        
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